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Thomas Geyer - der Macher vieler Partyreihen in Stuttgart
Ein Leben für die Nacht
Einer, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat: Veranstalter Thomas Geyer.
Thomas Geyer ist oft unterwegs – tagsüber oder abends, zu Terminen oder in Clubs. Stillsitzen kommt für ihn selten in Frage. Gibt ja auch viel zu tun: Mit „Stuttgart kaputtraven“ hat der nimmermüde Veranstalter eine der erfolgreichsten elektronischen Clubreihen der letzten Jahren initiiert. Diverse Ableger wie „Heute schon getanzt?“ ziehen regelmäßig ganze Scharen in die Clubs, der Stuttgarter Poetry Slam ist für gewöhnlich ausverkauft.
Aus einer einmaligen Sache wurde mehr
Angefangen hat Geyer in einem deutlich kleineren Rahmen. „Seit ich 19 bin, habe immer wieder Veranstaltungen organisiert“, erinnert er sich. „Anfangs waren das vor allem politische Sachen wie Vorträge, Infoveranstaltungen, Lesungen, aber auch immer mal wieder kleine Punk- und Hardcore-Konzerte.“ Während seines Studiums in Konstanz veranstaltete er 2001 mit einer Freundin einen Poetry Slam. „Was ursprünglich als einmalige Sache geplant war, stieß auf so große Resonanz, dass wir danach regelmäßig Poetry Slams und Lesungen organisiert haben“, sagt er. Um Gewinn ging es damals nicht. Für Thomas Geyer zählte einzig und allein der Spaß an der Sache. Daran hat sich auch bis heute nichts geändert.
Großer Anklang beim Publikum
Nach dem Umzug nach Stuttgart organisiert er Poetry Slams in der Rosenau und eine Lesebühne. Ein Jahr später kommt „Stuttgart kaputttraven“ dazu. „Eigentlich nur, um Freunden aus Hannover eine Auftrittsmöglichkeit in Stuttgart zu organisieren“, so Geyer. „Wie beim Poetry Slam in Konstanz war auch das als einmalige Veranstaltung geplant. Aber durch den großen Zuspruch wurde dann schnell eine regelmäßige Reihe draus.“
Vom Lehrer zum Veranstalter
Aus einmaligen Ideen wurden in Windeseile Eckpfeiler des Stuttgarter Nacht- und Kulturlebens. „Bis vor etwa zweieinhalb Jahren habe ich als Lehrbeauftragter an mehreren Hochschulen gearbeitet“, so Geyer. Irgendwann haben die Veranstaltungen so viel Zeit in Anspruch genommen, dass ich sowohl das Unterrichten als auch das Promovieren beendet habe.“ Gewiss keine leichte Entscheidung. Und dennoch eine, die für viel frischen Wind im Kessel gesorgt hat.
Mehr Besucher als erwartet
Insbesondere der schnelle und phänomenale Erfolg der „Stuttgart kaputtraven“-Reihe spricht hierbei Bände. „Ich denke, so ein Erfolg ist fast immer Glück“, findet Geyer. „Popkulturelle Phänomene lassen sich schwer planen oder vorhersagen.“ Der studierte Soziologe bleibt dabei gerne im Hintergrund und beobachtet. „So fällt es mir auch leichter, abzuschätzen, womit sich die Leute gerade beschäftigen, welche Musik gehört wird, wie sich bestimmte Teile der Gesellschaft verändern“, so Geyer. Das Studium war also nicht umsonst. Gerechnet hat er mit dem Erfolg dennoch nicht. „Mir war zwar klar, dass die Musik von ‚Stuttgart kaputtraven’ in Stuttgart nicht vertreten war. Doch ich habe mit viel, viel weniger Besuchern gerechnet“, sagt er.
Mit großem Tatendrang
Trotz der vielen Veranstaltungen, regelmäßig auftretenden Problemen oder Schwierigkeiten ist Thomas Geyer noch immer voller Eifer dabei. Ihm macht sein Job Spaß und das merkt man. „Für mich sind die vielen Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen das Interessanteste“, sagte er. „Nicht mal unbedingt mit den Künstlern, sondern mehr mit den Gästen, den Angestellten in den Clubs und so weiter.
Kaum Zeit fürs Ausgehen
Ich denke, dass man in meinem Job auf mehr spannende Menschen trifft als in den meisten anderen.“ Durch seinen Job habe er jetzt auch Einblicke in den Mikrokosmos der Stuttgarter Clubszene. „Ich weiß jetzt, wer mit wem früher was gemacht hat, welcher Veranstalter und Club befreundet oder verfeindet ist und vieles mehr“, so Geyer. Die Kehrseite der Medaille: Viel Zeit zum Ausgehen bleibt nicht. „Wenn ich mal Zeit habe, gehe ich eigentlich am liebsten in die Clubs, in denen ich auch meine Veranstaltungen mache“, stellt er fest.
Persönliche Vorlieben im Mittelpunkt
Im Herzen sei er trotz seiner eher elektronisch geprägten Musikveranstaltungen aber Punkrocker geblieben – und noch dazu einer, dem es gelingt, Hobby und Beruf in Einklang zu bringen. Da macht er gerne mal Überstunden. „Bisher hatte ich tatsächlich immer den Luxus, ausschließlich Veranstaltungen zu machen, die sich komplett mit meinen privaten Interessen decken“, erklärt Geyer. „Musik und Literatur waren neben der Politik immer schon meine Hauptinteressen. Alle meine Veranstaltungen entstanden bisher durch meine persönlichen Vorlieben. Andernfalls fiele mir auch schwer, die Sachen entsprechend zu bewerben.“
Geyer macht alles selbst
Und das tut er mit Leib und Seele. Geyer steht voll hinter seinen Veranstaltungen und ist von der ersten Idee bis zur letztlichen Veranstaltung stets in alle Prozesse eingebunden. „Bis auf wenige Ausnahmen mache ich alles selbst“, bekräftigt er. Das Verteilen der Flyer und das Ankleben der Plakate würden mittlerweile andere übernehmen. Doch auch so bleibt eine Menge übrig: „Angefangen bei der Auswahl der Künstler und den Verhandlungen mit den Clubs, über das Layouten und In-Druck-Geben der Plakate und Flyer, bis hin zum Buchen von Hotels und Flügen, der Pressearbeit, der Promotion übers Internet“, zählt der Organisator auf.
Ein Wunsch an die Stuttgarter Kulturszene
„Die Veranstaltung endet für mich meist am Morgen danach mit dem Aufräumen des Backstage- Bereichs.“ Bleibt zu hoffen, dass sich die Künstler dort anständig verhalten haben. Beschweren würde sich Geyer aber selbst dann nicht – und hat dementsprechend wenig, was er an der Stuttgarter Nacht- und Kulturszene vermisst. „Ich würde mir höchstens wünschen, dass neben der ‚klassischen‘ Kulturszene auch die Club- und Musikszene von den politisch Verantwortlichen sowie der kommunalen Verwaltung mehr geschätzt und unterstützt werden.“ (BS)
Weitere Informationen: www.kaputttraven.de
Partys wie „Stuttgart kaputtraven“ bringen das Stuttgarter Nachtleben zum Kochen.
21.07.2012
(Ausgabe 21. Juli 2012)










