Zukunft von Automaten

Hallo, mein Name ist Automat

Hallo, mein Name ist Automat
Automaten einfach mit Berührung, Sprache oder auch den Augen bedienen.

Unbemerkt befinden wir uns schon mittendrin im Science-Fiction-Film. Denn sie sind überall: Auf der Straße, in Gebäuden, sogar zu Hause – Automaten. Ob Bank-, Fahrkarten- oder Kaffee- Automat, die technischen Apparate sind ein fester Bestandteil unseres täglichen Lebens. Ein Automat ist eine Maschine, die vorbestimmte Abläufe selbsttätig, sprich automatisch, ausführt. Im übertragenden Sinne also ein programmierter Roboter. Die Wurzeln der ersten Automaten reichen bis in die Antike zurück, die Faszination für die scheinbaren Wunderdinger begleitet uns bis heute. Doch auch Automaten unterliegen einer Evolution und verändern sich kontinuierlich, um sich an die Bedürfnisse des Menschen anzupassen. Wie diese Anpassungen in Zukunft aussehen könnten, zeigen die Ergebnisse des Verbundprojektes „Erlebnis Automat“ des Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO).

Mehr mobile Kommunikation

Wissenschaft und Industrie haben sich 18 Monate lang zusammengesetzt, um den Automaten der Zukunft zu erforschen. Micha Block, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Fraunhofer IAO, hat beim Projekt mitgewirkt und erklärt, was sich Entscheidendes beim Automaten ändern wird: „Die mobile Kommunikation wird weiter zunehmen. Automaten werden die Schnittstelle zwischen mobilen Endgeräten wie Smartphones, Menschen und Dienstleistungen sein: So ist vorstellbar, dass der Nutzer sein Smartphone als Vorbereitung für den Kauf eines Produktes verwendet, um abschließend direkt am Automaten die Warenausgabe einzufordern.“

Multifunktionsfähige Automaten

Jedoch stellt sich die Frage: Warum den Umweg über Automaten gehen? Schließlich sind Shopping-Portale heute fähig, direkt am nächsten Tag zu liefern. Die Antwort weiß Micha Block: „Die Produktlieferung über Automaten bietet vielfältige Vorteile: Wenn ich als Reisender eine neue Speicherkarte oder Batterien brauche, nutze ich zum Beispiel eine mobile App, die mir zeigt, wo der nächste Automat steht, der mir das Gewünschte liefert. Oder ich besorge mir nachts am Bahnhof ein Buch, das mir der Automat anhand meines Profils sogar empfohlen hat.“ Noch spannender für Nutzer und Industrie ist die Tatsache, dass die neuen Automaten multifunktionsfähig werden. Der Nutzer kauft sich dann am Ticketschalter nicht nur seine Bahnfahrkarte, sondern auch noch ein Getränk. Zusätzlich nimmt er Kontakt zu seinem Bankberater auf, der ihn über den Bildschirm zu Finanzleistungen informiert.

Der Automat als Ansprechpartner

Für die Industrie eröffnet sich mit der Multi-Funktionsfähigkeit der Automaten eine neue Flexibilität. Die Einsatzbereiche von Automaten erstrecken sich über den gesamten Dienstleistungsbereich von Geld- und Zahlungswesen über Personenbeförderung, Versand, Lebensmittel bis hin zu Unterhaltung. In Zukunft kaufen die Hersteller allerdings nicht mehr die Automaten selbst, sondern mieten deren Dienstleistungen. Bereits heute übernimmt der Automat in vielen Fällen die Funktion eines persönlichen „Ansprechpartners“. Der Automat der Zukunft erkennt seinen Anwender beispielsweise anhand einer Identitätsprüfung über die Kundenkarte. Ähnlich wie bei vielen großen Online-Portalen sieht der Anwender dann sein Profil, seine Aktionshistorie und erhält gegebenenfalls Vorschläge für Angebote innerhalb seiner Interessen.

Sinnvoll, Nutzerverhalten zu speichern

Datensicherheit spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, wie Micha Block betont: „Das Filtern von Daten, sprich Data Mining, ist ein kritisches Feld, da es nicht erlaubt ist, beliebig Daten zu erfassen und zu verwerten. Gerade in Deutschland stößt man hier schnell an Grenzen. Im Fall der zukünftigen Automaten ist es allerdings besonders sinnvoll, wenn der Automat Erkenntnisse über das Nutzerverhalten speichert. Der Automat schätzt darüber ein, ob er es mit einem erfahrenen Nutzer zu tun hat oder nicht, und bietet dementsprechend Hilfestellung über die Benutzerführung.“

Barrierefreie Bedienung

Die einfache Interaktion zwischen Automat und Mensch ist ausschlaggebend für die erfolgreiche Nutzung der Dienstleistung. So steuern Anwender zukünftig Automaten mittels der Multi-Touch-Bedienung und, völlig barrierefrei, mittels Stimme oder Bilderkennung. Auch die Optik spielt bei Automaten eine sehr entscheidende Rolle. Denn der Automat ist auch das Gesicht zum Kunden in Bezug auf Unternehmens- und Markenwahrnehmung. Daher gab es im Forschungs-Projekt auch Formversuche mit Automaten, wie Block erzählt: „Ein Bankautomat an sich sieht nicht sehr spannend aus. Also haben wir einen Spieleautomaten zweckentfremdet und eine Bankanwendung implementiert. Während Überweisungen getätigt werden, zeigt der Bildschirm beispielsweise Kontostand oder Bausparfinanzierungsmöglichkeiten an. In jedem Fall hat der Automat eine Fernwirkung, er fällt auf und wird explizit wahrgenommen. Dies erhöht die Attraktivität der Nutzung.“

Automaten nicht wegzudenken

Die Form und Funktionsmöglichkeiten nehmen Einfluss auf die Nutzung eines Automaten. Das Projekt thefuntheory.com hat dies ebenfalls bewiesen: So wurde ein Recycling-Container zu einem Spiele-Automaten umfunktioniert. Der damit verbundene Spaßfaktor animierte täglich 100 Personen den Container mit Altglas zu befüllen, während der herkömmliche Container in der Nähe im gleichen Zeitraum nur von zwei Personen genutzt wurde. Richtig eingesetzt beeinflussen Automaten das Verhalten von Menschen und werden so schnell nicht aus unserem Alltag wegzudenken sein, wie auch Micha Block bestätigt: „Automaten wird es in Zukunft immer wieder in abgewandelter Form geben. In Verknüpfung mit Online-Dienstleistung werden sie ihre Daseinsberechtigung aufrecht erhalten.“ (LR)

Weitere Informationen:

Die ersten Forschungsergebnisse sowie Prototypen der Ideen zeigt der neue Showroom „Automatenlandschaft“ des Fraunhofer IAO, der Anfang Dezember eröffnet wurde. Interessierte Unternehmen können zwecks Besichtigung mit dem Institut Kontakt aufnehmen. Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter: www.erlebnis-automat.de

10.12.2011
(Ausgabe 10. Dezember 2011)
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