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27 Jugendliche aus acht Nationen singen beim interkulturellen Popchor mit.
Stuttgarter Gesangstalente
Popchor probt für Premiere
„One Planet One People“ klingt es aus den Räumen der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) Baden-Württemberg e.V. Seit Anfang Juni proben hier im Stuttgarter Westen 27 Jugendliche aus acht Nationen. Unter dem Motto „Musik einer Welt“ studieren sie internationale Popsongs ein. Geleitet wird der Chor von der Stuttgarter Sängerin Linda Kyei. Nur noch eine Probe, dann präsentiert der interkulturelle Popchor am Donnerstag, den 24. November 2011, um 19 Uhr im Kulturwerk Ost zum ersten Mal sein einstündiges Repertoire.
Große Chance
„One Planet One People – We‘re all living in a dream of one world“ hat der zwölfjährige Joel Oliveira bereits im Mai beim Casting für den Popchor vorgesungen. Er war damals der erste von rund 60 Teilnehmern, die sich der Jury stellten und ziemlich aufgeregt: „Ich habe überall gezittert, aber dann, nach und nach, ging es wieder.“ Musik bedeute ihm alles, erzählt der Junge mit portugiesischen Wurzeln: „Ich liebe Singen und ich singe überall – egal, wo das ist.“ Den Popchor sieht er als seine große Chance, denn er möchte später einmal ein bekannter Sänger wie sein Vorbild Chris Brown werden.Freude über Harmonie
Nach dem Vorsingen war die Chorleiterin Linda Kyei gespannt auf die erste Probe. Beim Casting wurden die Einzelleistungen nach Rhythmik, Intonation, Interpretation und Ausstrahlung bewertet. „Wir wussten, wenn bei einem Bewerber das alles zusammenpasst, ist derjenige auch Chor-tauglich. Aber inwiefern er sich integrieren und seine Stimme halten kann, da mussten wir uns überraschen lassen. Daher bin ich sehr froh, dass der Chor jetzt so gut harmoniert.“Echte Talente
Bereits mit 14 Jahren leitete die gebürtige Reutlingerin mit ghanaischen Wurzeln erste Gospel-Projekte und begann mit Eigenkompositionen am Klavier. Jede Probe beginnt sie mit einem Einsingen und mit Atemübungen. Weil nicht alle Nachwuchssänger Noten lesen können, spielt oder singt sie die Lieder zunächst vor: „Ich bin erstaunt, wie viel sich die Teilnehmer merken können und wie sie sich an die einzelnen Lieder erinnern.“ Und so können die Teilnehmer den Song nach ein paar Mal Zuhören und Nachsingen meist schon dreistimmig.Neben Melodien auch Aussprache lernen
Einige Lieder aus dem Repertoire sind aus dem Casting, andere hat Linda Kyei vorgeschlagen. Wiederum andere stammen aus der Heimat der jungen Sänger. So brachte die 16-jährige Kübra Teslimoglu das türkische Lied „Sikir Sikir“ mit in den Chor. Zeile für Zeile übersetzt sie diesen nun ins Deutsche und erklärt den anderen, worum es in dem Liebeslied geht und worauf sie beim Aussprechen achten müssen. Einige Teilnehmer haben schon in anderen Chören gesungen oder Einzelunterricht gehabt. Auf Türkisch zu singen, ist für die meisten – wie für Vanessa Schiefer – jedoch eine Premiere: „Es macht total Spaß in anderen Sprachen zu singen, weil man die Aussprache innerhalb von kürzester Zeit lernen muss. Und dann ist es toll, wenn Leute dabei sind, die einem auch erklären können, was es bedeutet.“ Für den Auftritt zeigt die 21-jährige Sirin Parlak noch ein paar Tanzschritte und die passenden Handbewegungen. Was anfangs noch etwas unbeholfen aussieht, entwickelt sich schnell zu einer kleinen Choreographie.Eine bunt gemischte Gemeinschaft
„Mit dem interkulturellen Chorprojekt möchten wir Jugendliche aus verschiedenen Schulen von der Hauptschule bis zum Gymnasium zusammenbringen“, so Projektleiterin Sibylle Rau- Pfeiffer von der LKJ. Bei diesem Modellprojekt sollen sich die Jugendlichen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen auf der Ebene der Musik begegnen. Das Konzept geht auf, wie der 13-jährige Michael Gugenheimer feststellt: „Bei uns spielt es keine Rolle, woher man kommt oder welche Sprache man spricht, sondern wir sind eine Gemeinschaft.“ Es ist die Liebe zur Musik, die die Teilnehmer verbindet. Und die zwölfjährige Lea Arueyingho ergänzt: „Es ist eine so schöne Atmosphäre, weil wir eben alle ganz verschieden sind.“ Für die 14-jährige Melodi Falahati ist der Chor „das Beste auf der Welt.“ Sie sagt: „Es macht sehr viel Spaß, weil man Freunde gefunden hat, mit denen man so viel gemeinsam hat.“Individuelle Arbeitsweise
Für die Sängerinnen und Sänger ist die Teilnahme kostenlos. Das Projekt wird vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg unterstützt. Nach einem halben Jahr intensiver Proben zieht Linda Kyei eine positive Zwischenbilanz: „Es war sehr interessant, wie die Teilnehmer mit unterschiedlichen Vorkenntnissen und unterschiedlichen Kulturen alle so zusammengewachsen sind. Wir haben eine individuelle Arbeitsweise entwickelt und ich bin wirklich gespannt, wie das Konzert wird.“ Nach zwei Kurzauftritten im Sommer beim „Festival der Kulturen“ und im Theaterhaus Stuttgart steht nun das erste abendfüllende Konzert mit einer Band an. Neben türkischen, spanischen, englischen und deutschen Popsongs werden Joel und die anderen Chor-Teilnehmer dann natürlich auch „One Planet One People“ singen. (EE)Weitere Informationen:
Konzert des interkulturellen Popchors
Wann: Donnerstag, 24.11.2011 um 19.00 Uhr
Wo: Kulturwerk Ost, Ostendstraße 16a, Stuttgart
Eintritt: 5 Euro (ermäßigt 3 Euro)
www.lkjbw.de/chorprojekt
Wann: Donnerstag, 24.11.2011 um 19.00 Uhr
Wo: Kulturwerk Ost, Ostendstraße 16a, Stuttgart
Eintritt: 5 Euro (ermäßigt 3 Euro)
www.lkjbw.de/chorprojekt
19.11.2011
(Ausgabe 19. November 2011)










