Eine Nacht im Theater

Gute Nacht-Geschichten

Gute Nacht-Geschichten
Die Junge Oper präsentiert ein vollkommen neues Konzept.

„Achtung, bitte mal alles herhören! Wir singen das Lied jetzt noch mal. Aber so, wie wir es eigentlich singen und nicht in der einfacheren Version. Wer singt die dritte Stimme? Bitte Hand hoch!“ Es geht hoch her im Zimmer D im zweiten Stock des Großen Hauses. Der Kinderchor der Staatsoper probt für seinen nächsten Streich: Die Schlafkonzerte am 9. und 10. Dezember 2011.

Eine lebhaft, bunte Truppe

Die Proben sind in vollem Gange, die Jungen und Mädchen sitzen hier schon eine Weile und üben konzentriert ihre Opernarien und Lieder. Johannes Knecht, der Leiter des Kinderchors, steht vor ihnen. Und obwohl man meinen könnte, die Jungen und Mädchen seien kaum zu bändigen, hat er seinen Chor fest im Griff. Die lebhafte, bunte Truppe hört auf sein Kommando und nachdem jeder wieder weiß, welche Stimme er zu singen hat, stimmen sie gemeinsam das nächste Stück an.

Die Kinder sind vernünftig und diszipliniert

„Die Kinder haben sich im Laufe der Spielzeit bereits ein gutes Repertoire erarbeitet, aus dem wir geschöpft haben. Aber wir haben auch viele Stücke ganz neu einstudiert“, erklärt Johannes Knecht die Liederauswahl für die besonderen Konzertabende. Obwohl noch einiges zu tun ist, wirkt der Chorleiter völlig entspannt. „Ich kenne meinen Chor. Die Kinder sind so vernünftig und auch diszipliniert, dass vor dem großen Tag die Qualität noch mal richtig nach oben schießt. Da kann ich jetzt auch entspannt sein, wenn das Eine oder Andere noch nicht hundert Prozent sitzt.“

Übernachten im Kammertheater

Schlafkonzerte gab es in dieser Form an der Staatsoper Stuttgart noch nie. Auch darum sind alle Beteiligten gespannt. Das Konzept stammt von Johannes Knecht und Barbara Tacchini, der Leiterin und Dramaturgin der Jungen Oper. Zum ersten Mal haben Kinder die Gelegenheit, nicht nur den Abend im Kammertheater zu verbringen. Dieses Mal rollen sie nach dem Ende der Vorstellung ihre Matratzen aus, schlüpfen in ihre Schlafanzüge und verbringen die Nacht in den heiligen Hallen des Theaters – allerdings wirklich nur die Kinder. Die Erwachsenen gehen nach Hause.

Konzert und Pyjamaparty

„Die Idee entstand aus den Übernachtungspartys, die Kinder in ihrer Freizeit ja häufig machen. Wir haben das Konzept auf ein Konzert übertragen. Schließlich gefiel uns die Vorstellung, die Kinder nicht nur zu unterhalten, sondern eben durch andere Kinder musikalisch zu unterhalten“, erklärt Johannes Knecht. Neben dem Kinderchor der Jungen Oper stehen aber auch Solisten des Opernstudios mit auf der Bühne. Gemeinsam erzählen sie Geschichten rund ums Schlafen und geben Stücke von Engelbert Humperdinck, Wolfgang Amadeus Mozart, Benjamin Britten und Bruno Coulais zum Besten.

Es wird gequatscht, gequasselt, gelacht und geredet

Die Proben gehen jetzt aber erst mal ins Szenische über und verlagern sich daher aus Zimmer D auf die Probenbühne. Ähnlich wie bei der Chorprobe wird auch hier erst einmal gequatscht und gequasselt, gelacht und geredet. Obwohl es schon Abend ist und sie seit über zwei Stunde proben, sind alle gut gelaunt und fröhlich.

Schlafsand für die Augen müder Kinder

„Die Kinder sind alle gerne dabei“, bestätigt Johannes Knecht. „Das hört man auch nachher auf der Bühne.“ Auf dem Boden der Probenbühne hat der Hospitant der Regie den Weg eingezeichnet, den die Kinder nachher gehen sollen. Christoph Sökler, Musikpädagoge der Jungen Oper, ruft einen nach dem anderen auf und teilt die Kinder in zwei Gruppen ein. Während er nun der ersten Gruppe erklärt, was sie als nächstes zu tun hat, gibt die Regieassistentin Lisa Holzberg der anderen Gruppe weitere Anweisungen. Auf Kommando sind alle auf Position und während die einen Heinzelmännchen zauberhaften Schlafsand vorbereiten, wandeln die anderen über die Markierungen auf dem Boden und verteilen ihn in den Augen müder Kinder.

Überraschung am Morgen

Der Konzertabend ist in drei Teile gegliedert. „Im ersten Teil behandeln wir vor allem das, was die Kinder über den Tag erleben“, so Knecht. „Es geht also noch nicht ums Schlafen, sondern um die Welt, aus der sie kommen, um Schule und Freunde. Der zweite Teil leitet dann über in die Abendthematik und spannt so den Bogen, bis alle schlafen. Am nächsten Morgen werden die Kinder dann musikalisch geweckt, aber darüber will ich noch nichts verraten. Wir wollen uns noch eine Überraschung offen halten.“ Sowohl am Freitag als auch am Samstag beginnen die Konzerte abends um 19 Uhr und enden am Morgen danach um 10 Uhr, wenn die Eltern ihre Kinder wieder abholen.

Schlafkonzerte – eine spannende Erfahrung

Nicht nur für die Besucher, auch für den Chor sind die Schlafkonzerte eine spannende Erfahrung, weil sie nicht nur gesanglich gefordert werden. „Die meisten Kinder kommen auch zu uns, weil sie spielen wollen. Sie wollen auf die Bühne und wir möchten ihnen hier auch möglichst viele Chancen bieten, verschiedene Facetten kennenzulernen“, so Johannes Knecht. „Sie sind wahnsinnig neugierig und aufgeschlossen.“

Ein absolut ehrliches Feedback

Außerdem lieben die Kinder Stücke, die sie fordern. „Sie lieben anspruchsvolle, mehrstimmige Stücke, die sie stimmlich auch weiterbringen.“ Knecht schätzt die Arbeit mit seinem Chor. „Man muss schon ein Faible für die Arbeit mit Kindern haben“, sagt er. „Kinder reagieren unmittelbar, man bekommt ein absolut ehrliches Feedback. Und obwohl sie so jung sind, haben sie jetzt schon ein sehr ausgeprägtes Gespür für Qualität. Mich persönlich bereichert die Arbeit mit Kindern wahnsinnig.“ (GW)

Weitere Informationen: www.staatstheater-stuttgart.de

03.12.2011
(Ausgabe 03. Dezember 2011)
Bookmark bei: Mr. Wong Webnews Bookmark bei: Yigg Bookmark bei: Technorati Bookmark bei: Linkarena Bookmark bei: Google Bookmark bei: Folkd Bookmark bei: Del.icio.us