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Fevzi Cetins Lebensgeschichte ist fest mit Bosch verbunden. (Bild: Sylvia Rizvi)
Gastarbeiter bei Bosch
Stolze Boschler
Im Mittelpunkt stehen 15 Männer und vier Frauen. Sie sind zwischen 1960 und 1980 als Gastarbeiter aus Italien, Griechenland, Ex-Jugoslawien und der Türkei gekommen. In der Feuerbacher Fabrik bauten sie Lichtmaschinen oder Pumpen für Autos.
Ehrgeiziger Gastarbeiter
Wie etwa Fevzi Cetin. Der Türke verließ als junger Mann Kash in der Ost-Türkei. Dort gab es keine Arbeit für den 22-Jährigen mit Mittelschulreife. Fünf Jahre wollte er in Deutschland arbeiten, um in Istanbul eine Eigentumswohnung zu kaufen. 1968 heuerte er bei Bosch an. Er belud Lastwagen im Schichtbetrieb, zeigte Ehrgeiz, machte den Führerschein. Danach transportierte er mit dem Stapler und anderen Fahrzeugen Fertigungsteile übers Werksgelände.„Arbeit gut, Verdienst gut“
Mitte der 1980er-Jahre holt Cetin seine Familie nach Stuttgart. „Arbeit gut, Verdienst gut“, bilanziert der Rentner in gebrochenem Deutsch. „Mit diesem Geld konnte ich meine vier Kinder großziehen.“ Nach 41 Bosch-Jahren ging er letztes Jahr in den verdienten Ruhestand – und vermisst seine alte Firma. „Ich musste ‚auf Wiedersehen‘ sagen, aber mein Herz schmerzt.“Gastarbeiter prägen Bosch
Sei es Cetin, sei es der stellvertretende Betriebsrat und gebürtige Italiener Salvatore Gaziano oder die Griechin Konstantina Margaritou, die erste Frau auf einem Bosch-Gabelstapler und heutige Chefin einer Männertruppe – solche Leute geben der Firma ein Gesicht.Lebensgeschichten für's Archiv
Bis vor zwei Jahren gab es nur Statistiken über die ersten Gastarbeiter an den Fließbändern und in den Werkstätten. Deshalb hatte die Robert Bosch GmbH die Volkskundler der Universität Tübingen beauftragt, die Lücke im Firmenarchiv zu schließen. „Wir wollten lebensgeschichtliche Interviews, in denen Mitarbeiter ihre Erlebnisse bei Bosch und in Deutschland anschaulich schildern“, sagt Vera Dendler aus der Abteilung „Historische Kommunikation“ bei Bosch.
Zukunft Deutschland
Die hat die Firma nun bekommen. „Die meisten der Befragten kamen mit 20, 25 Jahren nach Deutschland“, sagt Reinhard Johler. Der Professor für Empirische Kulturwissenschaften leitete das Studienprojekt. „Es waren junge, abenteuerlustige Leute, die sich etwas aufbauen wollten.“ Das Herkunftsland bot keine Zukunft. Deutschland lockte mit Anwerbeabkommen.Stolze „Boschler“ in Rente
Die Frauen wollten mit dem eigenen Lohn ein Stück Freiheit von Heim und Herd gewinnen. Alle zusammen hofften auf ein gutes Einkommen. Heute sind zwei Drittel der Interviewten in Rente. „Die meisten sind zu stolzen ‚Boschlern‘ geworden.“ Noch heute besucht Fevzi Cetin seine Kollegen am Arbeitsplatz. In der Türkei hat er kaum noch Bekannte. Für ihn und seine Familie steht fest: „Wir bleiben hier in Deutschland. In der Türkei sind wir Fremde.“ (SR)
Ausstellung:
„Abfahren. Ankommen. Boschler sein. Lebensgeschichten aus der Arbeitswelt“
Bosch-Werk Stuttgart-Feuerbach
Wernerstraße 51 (Tor 1)
Stuttgart-Feuerbach
7. und 14. September
jeweils 13 - 16 Uhr
Bosch-Werk Stuttgart-Feuerbach
Wernerstraße 51 (Tor 1)
Stuttgart-Feuerbach
Öffnungszeiten:
10., 17., 24., 31. August7. und 14. September
jeweils 13 - 16 Uhr
Ausstellungskatalog:
Reinhard Johler/Felicia Sparacio: Abfahren, Ankommen. Boschler sein. Lebensgeschichten aus der Arbeitswelt. Tübingen 2010, 374 Seiten, mit zahlreichen Bildern.
07.08.2010
(Ausgabe August 2010)










