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Hip-Hop-Open auf dem Cannstatter Wasen
Zurück in der Mutterstadt
Grüne Rauchwolken kündigen Marsimoto an. Alle Hände gehen hoch, als der Künstler die Bühne betritt. Das Publikum grölt laut das Lied „Green Granada“ mit.
Immer wieder schauen die Veranstalter der Hip-Hop-Open nervös Richtung Himmel. Wird das Wetter halten? Dunkle Wolken ziehen über den Cannstatter Wasen, doch passend für den Newcomer des Jahres wird um 13.05 Uhr der Himmel über dem Festivalgelände blau. Organisator Johannes Strachwitz vom 0711 Büro berichtet erleichtert: „Zwischenzeitlich gab es mal eine Schlechtwetterfront, die aber Gott sei Dank an uns vorbei gegangen ist. Sonst hätten wir ein großes Problem gehabt.“
Alle antworten „Halloooo!“
Der Stuttgarter Rapper Cro betritt gut gelaunt die Bühne, die obligatorischen Pandamaske vor dem Gesicht. Die noch recht jungen Besucher in den ersten Reihen kreischen und antworten lauthals „Haaaalloooo!“, als Cro fordert: „Hi Kids, ich bin Carlo.
Werft einen Arm hoch und gebt mir ein Hallo!“ Auch Strachwitz vom 0711 Büro hat sich auf diesen Auftritt gefreut: „Er ist die nächste Generation und übernimmt gerade im Ultraschall-Tempo alles“, sagt er.
Gute Stimmung
Immer wieder animiert der junge Künstler seine Fans zum Mitmachen „Ich will alle Hände sehen!“ Oder: „Wer kennt den Text?“ Spätestens die Zugabe kennt jeder und gemeinsam tönt es: „Easy, ea ea mh mh, Easy, ea ea mh mh“, seinen bisher bekanntesten Hit. Nach einer kurzen Pause kündigt der Youtube-Star Teddy, der durch das Programm führt, die nächste Band an: „Leute, jetzt kommen die Hilltop Hoods aus Australien.“ Das Trio sorgt für Stimmung auf dem Wasen.
Zeit um aufzustehen
Die Sonne scheint und macht durstig. Um 15.21 Uhr stürmen mit den Orsons die nächsten Stuttgarter Jungs auf die Bühne. „Wir wollen euch alle springen sehen!“ rufen Maeckes, Plan-B, Tua und Kaas in ihre Mikros. „Zeit um aufzustehen – Jump! Zeit um durchzudrehen – Jump!“ Die Menge lässt sich nicht bitten und springt. Die vier Jungs auf der Bühne freuen sich: „Stuttgart, es ist so schön hier zu sein.“
Frische Musik und Geschichte
Die Vermutung, dass an diesem Tag ganz bewusst so viele Stuttgarter auf der Bühne stehen bestätigt Strachwitz. „Ja, so ist es. Zum zehnjährigen Jubiläum wollen wir die ganze Historie abbilden und ich denke, das ist uns ganz gut gelungen“, sagt er und zählt auf: „Die Mischung aus neuer, frischer Musik, aus guten Geschichten, ein bisschen kommerzielleren Künstlern und aus den alten traditionellen Sachen.“
Gäste aus aller Herren Länder
Das Gelände ist gut gefüllt. Einige Hip-Hop-Begeisterte sind von weither angereist. „Sie kommen teilweise aus Norddeutschland, Schweiz, Österreich, der Grenze zu Holland, dem Ruhrpott. Aber der Großteil der Leute kommt aus Baden-Württemberg“, erzählt Strachwitz. Man genießt die lockere, entspannte Atmosphäre und vor allem das doch noch perfekte Festivalwetter. Die Tickets waren in diesem Jahr schon nach kurzer Zeit restlos ausverkauft. Um mehr Platz zu gewinnen, verlegten die Veranstalter das Festival kurzer Hand vom Reitstadion auf den Cannstatter Wasen. „Wir haben dieses Jahr das Gelände extrem vergrößert“, betont Strachwitz.
Basslastige Beats
Um 16.05 Uhr mischen sich die heißen Sonnenstrahlen mit knallgrünem Nebel. Begleitet von lauten, basslastigen Beats betritt der maskierte Marsimoto die Bühne und bringt die Menge innerhalb weniger Sekunden mit seiner verzerrten Stimme zum Beben. „Alle Hände hoch.“ Die Zuschauer sind begeistert und grölen gemeinsam mit Marsimoto den Song „Green Granada“. Nun ist die richtige Stimmung für die folgenden Auftritte erreicht.
Die Menge tobt bei Kool Savas
Gespannt wartet das Publikum auf den nächsten, extra aus den USA angereisten Act, Mac Miller. Leider bleibt die Euphorie in den nächsten 40 Minuten aus. Der Rapper verlässt am Ende abrupt, ohne ein weiteres Wort die Bühne und lässt somit einige Fans enttäuscht zurück. Die Laune verbessert sich allerdings schlagartig, denn direkt im Anschluss beginnt Kool Savas mit seiner Show. „Ich habe lange hier gewohnt, jetzt ist es als wenn man nach Hause kommt“, begrüßt Kool Savas die Stuttgarter. Auf der Bühne und davor gibt es jetzt kein Halten mehr. Die Menge feiert. „When I say Hip, you say Hop. Hip- Hop, Hip-Hop“, gibt Kool Savas den Ton vor und alle machen mit.
Max Herre rappt
Aufgeheizt wird gegen 19.30 Uhr jubelnd der US-Star Wiz Khalifa empfangen. Mit seinem Hit „Young, Wild and Free“ verbreitet er eine gute Laune, die perfekt zum Sommer und zu einem gelungenen Festivaltag passt. „Auf Wiz Khalifa habe ich mich natürlich gefreut“, erzählt Strachwitz und fügt direkt hinzu: „Aber worüber ich mich noch mehr freue, ist, dass Max Herre wieder rappt.“ Die 18.000 Besucher der Hip-Hop-Open stimmen in die Texte mit ein und begrüßen den Wahlberliner in seiner alten Heimat mit lauten, begeisterten Rufen.
Die Klassiker der Hip-Hop Szene
Herre gibt gemeinsam mit Kollegen wie Afrob und Fetsum eine Mischung aus neuen und alt bekannten Songs zum Besten. Die Zuschauer kennen jede einzelne Zeile aus „A.N.N.A“, tanzen zu „Esperanto“ und sind selbst bei dem brandneuen Lied „Wolke 7“, das Herre mit dem Stuttgarter Philipp Poisel performt, erstaunlich textsicher. Spätestens als Max und Joy Denalane den Klassiker „1ste Liebe“ singen, ist Gänsehautfeeling garantiert. Es ist seine Hommage an Stuttgart, passender könnte die Rückkehr des Hip-Hop-Open nach Stuttgart nicht besungen werden.
Das Open gehört eben nach Stuttgart
Strachwitz bringt es auf den Punkt: „Das Hip-Hop- Open gehört einfach nach Stuttgart. Wir lieben diese Stadt und wir sind Lokalpatrioten.“ Das absolute Highlight des Festivals ist allerdings der Auftritt der Kolchose. Sie feiern an diesem Abend ihren 20. Geburtstag. Strachwitz erklärt stolz: „Das Besondere in diesem Jahr ist, dass die Kolchose wieder auf der Bühne vereint ist. Das ist auf jeden Fall einzigartig, weil sie sehr lange nicht mehr gemeinsam auf der Bühne standen.“
Ein Sprung in die Vergangenheit
Vor allem die ältere Generation im Publikum fühlt sich in ihre Vergangenheit versetzt. Als die ersten Töne von „Cruisin“ oder „Wenn der Vorhang fällt“ erklingen gibt es für die tausenden Besucher kein Halten mehr. Max Herre, die Massiven Töne, Afrob, DJ Friction, DJ Emilio und die anderen, stimmen zum Schluss alle gemeinsam den Song der Massiven Töne „Mutterstadt“ an – ein weiteres Liebeslied an Stuttgart, und somit der krönende Abschluss. (LD)
Der Newcomer des Jahres ist der Stuttgarter Junge mit der Pandamaske: Cro.
21.07.2012
(Ausgabe 21. Juli 2012)










