Nächster Halt: Hollywood
Hier wird tagtäglich Filmgeschichte geschrieben: Der Hof der Filmaka Ludwigsburg.

Filme aus der Region

Nächster Halt: Hollywood

Es ist der 22. Januar 2012. Ein Sonntag wie viele andere auch. Nicht so in Saarbrücken: An diesem Abend wird an der Saar der renommierte Max Ophüls- Preis verliehen – zum mittlerweile 33. Mal. Dennoch brachte diese Schnapszahl alles andere als Unglück für Filmakademie- Absolventin Sarah Judith Mettke. Ihr Diplomspielfilm „Transpapa“ sicherte sich den „Filmpreis der Saarländischen Ministerpräsidentin“.

Talentschmiede Filmakademie

Ein toller Erfolg für die Ludwigsburger Filmspezialisten – und dennoch bei Weitem kein Einzelfall: Regelmäßig vermeldet die weltweit angesehene Hochschule Erfolgsmeldungen wie diese. Sei es beim Deutschen Kurzfilmpreis, mit Beiträgen auf den wichtigsten Festivals wie in Cannes oder Venedig oder gar bei der engeren Auswahl der Oscar-Nominierungen. Keine Frage – was aus dieser Talentschmiede an die Öffentlichkeit dringt, hat Hand und Fuß. Und oft sogar noch mehr: Köpfchen.

220 Bewerber und 82 Plätze

Rückblick: Am 14. Oktober 1991, also vor ziemlich genau 20 Jahren, nimmt die von Professor Albrecht Ade gegründete Filmakademie seine Arbeit in Ludwigsburg auf. Aus 220 Bewerbern wurden damals noch ganze 82 Studierende ausgewählt, um das erste Semester dieser Hochschule zu bestreiten.

Hollywood rückt näher

Heute sehen die Quoten natürlich ganz anders aus und schon 1993 schaffte es nur noch jeder zehnte Bewerber in die aufregenden Studienjahre der Filmakademie. In den nächsten Jahren werden der Lehrplan und die Möglichkeiten der Hochschule ständig erweitert, Studiengänge wie Szenenbild, Serien Producing oder Montage/Schnitt ergänzen das Angebot, außerdem wird 2002 das Institut für Animation, Visual Effects und Digitale Postproduktion eingeweiht – Hollywood und der gesamte weltweite Kinozirkus rückten mit einem Mal einen großen Schritt näher an Ludwigsburg heran.

Akademie für darstellende Kunst

Doch auch in diesem Jahrtausend hat sich viel getan: 2008 öffnet die neu gegründete Akademie für darstellende Kunst Baden-Württemberg ihre Pforten in unmittelbarer Nachbarschaft zur Filmaka, wie sie gerne abgekürzt wird. Spätestens jetzt haben wir es hier mit einem selbstständigen Kosmos zu tun, der nicht länger auf externe Hilfen angewiesen ist, um das zu tun, was ganz im Vordergrund steht: Unvergessliche Filme zu produzieren.

Das Erfolgsrezept

Die Leidenschaft unter den Studenten steht der der Professoren, Dozenten und Mentoren dabei in nichts nach. Doch das allein reicht noch nicht, um den exquisiten Ruf zu erklären, mit dem die Filmakademie Semester für Semester Studenten von nah und fern mit ihren begehrten, aber raren Studienplätzen anlockt. „Learning by doing als Überschrift zu setzen, projektbezogenen und teamorientierten Unterricht zu proklamieren, der den Studierenden von Anfang an die Möglichkeit verschafft, Film nicht nur zu wollen und zu denken, sondern sich vielmehr daran zu reiben, wie dieses Wollen und Denken mit filmischer Technik umzusetzen ist“, ist laut Professor Thomas Schadt, dem Direktor der Akademie, das Ludwigsburger Erfolgsrezept.

Über 400 Dozenten und Referenten

Und nicht nur das: „Keinen fest angestellten Lehrkörper zu installieren, sondern befristet tätige Dozenten zu berufen, die mit ihren frischen Erfahrungen aus der Praxis direkte und konkrete Erkenntnisse vermitteln“, gehören für ihn ebenfalls dazu. „Über 400 Dozenten und Referenten erhalten von der Filmakademie pro Studienjahr daher einen Lehrauftrag.“

Spielberg statt Hobbyfilmer

Auf diese Weise kommen die Studierenden in den Genuss des Vortrags mancher Koryphäe, was bekanntlich nicht nur lehrreich, sondern vor allem inspirierend ist. Salopp gesagt hört man schließlich lieber Steven Spielberg zu, wenn er über das Geheimnis des Erfolges spricht, als einem Dozenten, der bis auf einen familiären Urlaubsfilm aus filmischer Sicht ein unbeschriebenes Blatt ist.

Die Ethik des Filmemachers

Quasi mit auf den Weg bekommen die Studenten eine Ethik, ein philosophisches Grundverständnis von ihrer künftigen Rolle als Filmemacher. Denn dass viele Absolventen nach ihrem Studium äußerst erfolgreiche Karrieren beim Film einschlagen, haben die letzten Jahre in zahlreichen Beispielen gezeigt. „Die Filmschaffenden zeigen, wie gekonnt sie in der Lage sind, filmisch zu artikulieren, was sie denken und fühlen. Und das erzählt uns Zuschauern etwas über uns selbst. Gleichzeitig erzählt es aber auch etwas über die Filmemacher und ihre Verantwortung gegenüber der Realität – gegenüber einer erfundenen, fiktionalen, oder gegenüber einer vorgefundenen, non-fiktionalen“, legt der Direktor die Eckpfeiler dieser Ethik dar.

Verantwortung gegenüber den Medien

„Erzählen sollten Film- und Fernsehschaffende außerdem etwas über ihre Verantwortung gegenüber den Medien, gegenüber ihren Zuschauern, gegenüber der Gesellschaft, deren Teil sie sind“, ergänzt er. Die Vermittlung dieser Ethik, dieser Verantwortung ist ihm zufolge genauso wichtig wie das Erlernen der handwerklichen Fähigkeiten. Nur in dieser Kombination liegt der Schlüssel zum Erfolg an der Filmaka, auf den Leinwänden und letztlich in unseren Empfindungen.

Platte Blockbuster – Fehlanzeige!

„Wir müssen die Studenten auch anleiten, in der Ausbildung Träume und Utopien filmisch zu artikulieren und vor allem sie nach der Akademiezeit nicht zu verlieren, vielmehr weiter fest an sie zu glauben und sich mit ihnen an den praktischen Realitäten des Marktes zu reiben.“ Platte Blockbuster oder süßliche Liebeskomödien sind aus diesen Reihen somit nicht zu erwarten. Zum Glück!

Die Studiengänge

Heute können die Studierenden zwischen den Studiengängen Film und Medien, Produktion sowie Filmmusik und Sounddesign wählen. Diverse Aufsplittungen erlauben sehr genaue Spezialisierungen, sodass ein angehender Kameramann in ebenjenem Talent geschult wird während eine Cutterin hier lernt, wie die Schnitte zu setzen sind, um den Film voranzutreiben. Dass die Nachwuchsfilmemacher genau das sehr genau beherzigen, zeigt allein der gewaltige Output an Spielfilmen, Kurzfilmen, filmischen Essays und cineastischen Experimenten, mit denen die Filmakademie regelmäßig eigene Filmabende und größere wie kleinere Festivals in der Region füllt.

Der Erfolg ist sicher

Aber eben nicht nur in der Region – dies macht nicht zuletzt unser Extrakasten über die acht bislang größten Erfolge der Filmakademie deutlich. Doch eines ist jetzt schon sicher: In nicht allzu ferner Zukunft muss diese Liste wieder gründlich erarbeitet werden, weil man sich mal wieder selbst in den Schatten gestellt hat. Nur der Horizont ist bekanntlich die Grenze – oder die Oscar-Verleihung. Doch selbst diese wird nicht mehr allzu lang ohne einen prämierten Beitrag aus Ludwigsburg zurechtkommen. Das versprechen wir! (BS)

Weitere Informationen:
www.filmakademie.de

04.02.2012
(Ausgabe 04. Februar 2012)
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