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Kolumne Klaus Birk
Alles super, alles Stuttgart.
Klaus Birk, Kabarettist
Was an Stuttgart besonders ist, soll ich beschreiben, was die Stadt auszeichnet vor allen anderen.
Herausragend an Stuttgart ist: Man schreibt es mit vier "T". Welche Landeshauptstadt kann das von sich sagen? München schon mal nicht. Berlin nicht. Wiesbaden, Mainz, Düsseldorf, Kiel, Hannover, alle sind meilenweit vom T entfernt und da haben wir Bremen, Hamburg und Dresden noch nicht mal erwähnt.
Stuttgart, Stadt der vier Ts: Beeindruckend, einmalig, wunderbar. Was will sie uns damit sagen? "Ich bin die Stadt der vier Tugenden, bin gemäßigt, weise, tapfer und gerecht!" Oder liegt die Wahrheit der Ts in unterirdischen Tunneln begraben, wie ein Schatz, den wir erst noch verbuddeln müssen?
Egal, wir genießen die Ts, bleiben aber bescheiden. Wir machen nicht auf Hamburger und sprechen sie laut aus. Wir haben sie, aber reden nicht drüber. Wir schreiben hart und sprechen weich: "Schduagrd" oder "Schduggard". Der Rest ist Bewusstsein in Bescheidenheit.
Nicht nur die Stadt, auch ihre Größen tragen die Ts stolz als Symbol der Tugen-den in ihren Namen: Schuster, Stratthaus, Zetsche, Vogt, selbst Oettinger hat allein drei davon, zwei im Oettinger, eins im Günther. Seine Tugenden sind voll dabei sich zu zeigen, nur eben noch nicht in Karlsruhe, Freiburg oder Rottenburg. Auch Mappus und Palmer haben ein T, nicht gleich sichtbar, in Stefan und Christoph, genau wie Hauptbahnhof. Nur für welche Tugend es da steht, ist nicht ganz klar. Jedenfalls soll sie mit ihm unter die Erde.
Ja, hier in Stuttgart wird ein ganzer Bahnhof begraben, mitten in der Stadt. Nicht, dass er schon tot wäre, er wird quasi lebendig beerdigt. Und das soll nach was aussehen. Millionen sollen kommen und schneller gehen. Die Nachwelt soll wissen, wie lieb er uns war. Da geben wir alles und noch viel mehr.
Über ihn kommt ein Denkmal, für den unbekannten Euro, der hier an diesem Ort millionenfach in die Tiefe gerissen wurde.
Vier Milliarden werden es sein, befürchten manche. Weiß gar nicht, was die wollen, ist doch super, wegen zehn Euro würde keiner so ein Loch graben.
Und überhaupt, besser die Milliarden kommen unter die Erde, wo's keiner sieht, als oben ins Stadtbild, wo's zu protzig rüberkommt.
Fazit: Wir sind Stuttgarter, das heißt: Bescheiden die Besten, behalten es aber für uns. Man hat's, aber man zeigt's nicht. Das gilt für die Ts, die Tugenden, das Gewissen und den neuen Hauptbahnhof. Und falls man es zeigt, dann erst, wenn keiner mehr damit rechnet, dass wir dabei gewinnen könnten. Gell, VfB?
29.02.2008
(Kolumne Klaus Birk, Ausgabe September 2007)










