Schwäbisch an Schulen

Was wäre, wenn... Schwäbisch als Schulfach unterrichtet werden würde

15 Jahre ist es nun her, dass Schwäbisch als Unterrichtsfach an Schulen der Region Stuttgart eingeführt wurde. Die wachsende Bedeutung des schwäbischen Kulturraums hatte das baden-württembergische Kultusministerium nach intensiven Überlegungen dazu bewogen, Schwäbisch der englischen Sprache als erste „Fremdsprache“ an weiterführenden Schulen vorzuziehen.
 
Statt „Good Morning“ schallt dem Lehrer montags in der ersten Schulstunde nun ein freudiges „Griaß Godd“ entgegen. Die Lehrer sind begeistert. Markus Nägele, Deutschlehrer in Waiblingen: „Des erweitert oifach unseren Horizont, dass mr jetzt au Schwäbisch unterrichte. Und da isch glei a ganz andre Atmosphäre in dr Klasse.“ Denn die Schüler machen gern mit. Zugezogene tun sich zwar anfangs etwas schwer, aber wenn einmal der schwäbische „Flow“ gefunden haben, dann gibt es kein Halten mehr. Janine Bürger (15) aus Brandenburg, geht seit einem Jahr in Ostfildern zur Schule: „Es war schon schwierig, an das Niveau der Klasse anzuknüpfen, aber seit ich gemerkt habe, dass es bei Schwäbisch auf das Gefühl ankommt und nicht auf das Auswendiglernen, hab ich keine Probleme mehr.“
 
Durch die Einführung des Schwäbisch-Unterrichts rückte der schwäbische Dialekt zunehmend in den Fokus der Wissenschaft. Und die Linguisten stießen auf bahnbrechende Erkenntnisse. Zahlreiche Studien belegen seither, dass das fehlerlose Schreiben und Sprechen des schwäbischen Dialekts zu deutlich besseren Leistungen in anderen Fremdsprachen führt. Das mag mitunter daran liegen, dass Schwäbisch noch die größte Ähnlichkeit mit Mittelhochdeutsch hat, der älteren Sprachstufe der deutschen Sprache. Und wer diese „Basissprache“ gut beherrscht, dem fällt das Erlernen weiterer Sprachen leichter.
 
Auch im Ausland ist die Nachfrage nach Schwäbisch-Kursen gestiegen. Nicht überraschend, wenn man bedenkt, welches Potenzial sich durch den Dialekt ergibt. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die Wirkung der schwäbischen Sprache erst entfaltet wenn die Redewendung „Blaugraud bleibd Blaugraud ond Braudgloid bleibt Braudgloid“ fehlerfrei wiedergegeben werden kann. Das Erlernen von Kantonesisch, Finnisch und Kisuaheli wird mit der nötigen schwäbischen Grundbildung zum Kinderspiel.
 
Inzwischen zeigt sich, dass auch Japaner, Amerikaner und Franzosen Gefallen am schwäbischen Dialekt gefunden haben. Amerikaner begrüßen sich auf der Straße nicht mehr mit „Nice to see you“, sondern werfen dem Gegenüber ein „So, au dô?“ zu und der Franzose haucht seiner Angebeteten statt „Je t’aime“ ein „I mog di fai ganz arg“ ins Ohr. (VP)

29.02.2008
(Ausgabe September 2007)
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