
Stuttgart-Info
Arbeitsamt Stuttgart - Geschäftsstellen und ÖffnungszeitenStuttgarter Ballett - Adressen und InformationenBürgerbüro Stuttgart - Geschäftsstellen und ÖffnungszeitenFreibad Stuttgart - Angebote der BäderanstaltenHallenbad Stuttgart - Öffnungszeiten, Eintrittspreise und AdressenKartenvorverkauf Stuttgart - VeranstaltungsticketsKino Stuttgart - Spielstätten auf einen Blick Museum Stuttgart - Adressen und ÖffnungszeitenTheater Stuttgart - ÜbersichtSehenswürdigkeiten Stuttgart - InformationenFerienjob und Nebenjob in StuttgartKindertheater in Stuttgart
Sibylle Berg schickt ihre Figuren bei "Hauptsache Arbeit!" auf einen Betriebsausflug. (Bilder: Cecilia Gläsker)
Schauspiel Stuttgart
Alle an Bord
Sieben Versicherungsangestellte auf einer Yacht. Ihr Chef hat zum Betriebsausflug geladen. Unter dem Deck hausen die Ratten. In den engen Kajüten richten sich die Angestellten ein. Oben auf dem Sonnendeck amüsiert sich der gegelte und potente Chef, seine Autorität bezieht er aus seiner Position und seiner Hose. „Ich bin, verdammt noch mal, überqualifiziert für das Leben“, brüllt er, unzufrieden mit sich und der Welt. Seine Angestelltenschaft verachtet er zutiefst.
Betriebsausflug mit Angestellten
Dass dieser Betriebsausflug keine Vergnügungsfahrt wird, daran lässt Sibylle Bergs Stück „Hauptsache Arbeit!“ von Anfang an keinen Zweifel. Denn die Angestellten sind mindestens genauso unzufrieden mit sich und der Welt. Das hat andere Gründe, macht es aber nicht besser.Austauschbare Schicksale
Bei Sibylle Berg heißen sie nur Mann und Frau, ihre Schicksale sind austauschbar. „Ich fahre Bahn mit anderen, die aussehen wie ich, mit denen ich mein Leben tauschen könnte, doch dann würde ich vermutlich nur in ein anderes Büro fahren“, sagt die jüngste der drei Frauen. „Das lohnt die Aufregung kaum.“ Die Entfremdung von Arbeit und Leben ist bei allen weit fortgeschritten: „Manchmal geh’ ich vollkommen in dem, was ich tue, auf, wenngleich ich nicht genau weiß, was es ist. Es findet im Computer statt.“
Sehnsuchtsvolles „La Paloma“
Die Bekenntnisse der Versicherungsreisenden könnten trister nicht sein. Und doch haben sich alle irgendwie damit arrangiert. Jetzt aber, beim Betriebsausflug, steht mehr auf dem Spiel. Es wird um Leben und Arbeitsplatz gespielt. Wahlweise das „Angsthasenspiel“ oder die Vortragsrunde „Ich danke der Firma“, die von einer der Ratten zynisch animiert wird. Zwischendurch erklingt ein sehnsuchtsvoll hingehauchtes „La Paloma“, das die Angestellten im Chor intonieren, bevor sie von Chef oder Ratte wieder in die Realität zurückgepfiffen werden.Bissig, sarkastisch, kurzweilig
So nimmt der Yachtausflug, der Ende März am Schauspiel Stuttgart uraufgeführt wurde, seinen Lauf – ohne großen Tiefgang, aber dafür umso schneller. Und die von Sibylle Berg beschriebene „Versuchsanordnung“ fällt letztlich so aus, wie man es von der Züricher Autorin erwarten konnte: bissig, sarkastisch, kurzweilig.Fast ein Happy End
Die Stuttgarter Schauspieler gehen in ihren Figuren voll auf. Die Regie von Intendant Hasko Weber ist nachvollziehbar und stimmig. Im Gegensatz zu Sibylle Bergs Textfassung lässt Weber das Ende offen. Die gute Nachricht: Keiner ist unter- oder über Bord gegangen. Alle sind noch da. Und das ist angesichts der Konstellation schon fast so etwas wie ein Happy End! (RC)
Der Chef amüsiert sich und ist doch ...
... genau wie seine Angestellten unzufrieden mit der Welt.
03.04.2010
(Ausgabe April 2010)










