Interview mit Elisabeth Kabatek

Auf zum Tango, Brezel!

Auf zum Tango, Brezel!
(Bild: Fran Fernández)

„Laugenweckle zum Frühstück“, die Zweite: In ihrem neuen Roman „Brezeltango“ erzählt Elisabeth Kabatek weiter die Geschichte der Stuttgarterin Line, deren Katastrophen-Gen zwar durch ihre Liebe zu Leon deaktiviert zu sein scheint, dann aber doch auf Hochtouren läuft. Vor zwei Jahren stand die 44-Jährige der GOOD NEWS schon einmal für ein Interview zur Verfügung. Seitdem hat sie 90.000 Exemplare ihres ersten Buches verkauft.
 
GOOD NEWS: Als wir uns vor zwei Jahren getroffen haben, war Ihre erste Veröffentlichung „Laugenweckle zum Frühstück“ mit einer Startaufl age von 5.000 Exemplaren in Druck. Hatten Sie damals mit diesem Erfolg gerechnet? Elisabeth Kabatek: Überhaupt gar nicht, niemand hat damit gerechnet. Ich wundere mich immer noch darüber.
 
GOOD NEWS: Ist „Brezeltango“ eine Fortsetzung, oder eine völlig neue Geschichte?
 
Elisabeth Kabatek: Es ist eine Fortsetzung, denn mir war klar, dass die Geschichte von Line und Leon noch nicht zu Ende erzählt ist. Ich wollte selbst auch wissen, wie es mit den beiden weitergeht, was sie miteinander noch erleben. Man schließt Figuren ja auch ins Herz und dann ist es schön, sie wieder zu treffen und Zeit mit ihnen zu verbringen. Auch beim zweiten Buch war es schwer, sie wieder gehen zu lassen. Ist zwar fast ein bisschen schräg, aber es fühlt sich tatsächlich so an.
 
GOOD NEWS: Ihre Hauptfi gur Line kämpft im ersten Buch gegen ihr „Katastrophen- Gen“. Haben Sie sie davon befreit?
 
Elisabeth Kabatek: Sie denkt zwar am Anfang, dass durch Leon und seine Zuneigung ihr Katastrophen-Gen deaktiviert ist, aber das stimmt halt dann doch nicht. Bei ihr gibt es immer maximales Chaos: Was schief gehen kann, geht schief.
 
GOOD NEWS: Haben Sie eine Lieblingsfi gur oder Lieblingsszene im Buch?
 
Elisabeth Kabatek: Ja, die Tante Dorle ist meine Lieblingsfi gur. Es gibt eine Szene, eher eine leise, da sitzt sie vor ihrem Haus auf einem Bänkle und redet mit Line. Da wird die Warmherzigkeit dieser Großtante transportiert. Die Szene mag ich am liebsten.
 
GOOD NEWS: Was inspiriert Sie?
 
Elisabeth Kabatek: Die Stadt inspiriert mich. Es macht mir unheimlich Spaß, durch Stuttgart zu laufen, mir Geschichten zu überlegen und die in das Buch einzubauen. Man hat einen völlig neuen Blick auf die Stadt und die Menschen. Ich unterhalte mich viel mehr mit den Leuten, weil ich immer auf der Suche nach neuen Dialogen bin.
 
GOOD NEWS: Handlungsort ist wieder Stuttgart. Was mögen Sie so an dieser Stadt?
 
Elisabeth Kabatek: Hier gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken. Wenn ich an einen Ort gehe, den ich eigentlich schon kenne, überlege ich mir immer, was dort passieren könnte. Die Leute gucken dann komisch, wenn ich rumschleiche, etwas aufschreibe und Fotos mache.
 
GOOD NEWS: Wurden Sie dann auch mal angesprochen?
 
Elisabeth Kabatek: Selten, die Leute gucken zwar, aber sie sprechen einen nicht an. Der Schwabe an sich ist da ja eher zurückhaltend.
 
GOOD NEWS: Ihr Roman wird als „Meisterwerk schwäbischer Schreibkunst“ gefeiert. Haben Sie schwäbische Autoren, die Ihnen als Vorbild dienen?
 
Elisabeth Kabatek: Nein, überhaupt gar niemanden. Ich lese normalerweise gar nichts Schwäbisches. Ich versuche, möglichst authentische Dialoge zu schreiben. Das Schwäbische gibt so viel her, es hat so viel trockenen Humor, dass es so unfreiwillig komisch ist.
 
GOOD NEWS: Sie ziehen die Schwaben ja ganz schön durch den Kakao. Gibt es da nicht auch Kritik?
 
Elisabeth Kabatek: Keiner hat das kritisiert. Im Gegenteil: Ich habe Zuschriften von Exil-Schwaben aus Brasilien, Indien und den USA bekommen. Sie haben geschrieben, sie hätten sich wunderbar amüsiert, weil sie so vieles, was sie von Schwaben oder von Stuttgart kannten, wiedergefunden und sich darüber gefreut haben. Es ist ja auch nicht böse gemeint, sondern liebevoll.
 
GOOD NEWS: Was unterscheidet Ihre Romane von klassischen Frauenromanen?
 
Elisabeth Kabatek: Ich denke, dass die Figuren – auch wenn sie natürlich überzeichnet sind – relativ nah am Leben sind. Viele Leute haben mir gesagt, dass sie sich darin wiederfi nden. Es sind keine völlig idealisierten Helden, sondern relativ normale Menschen. Und es gibt viele lustige Szenen, worüber die Leser lachen können.
 
GOOD NEWS: Warum haben Sie den Titel „Brezeltango“ gewählt?
 
Elisabeth Kabatek: Es gibt im Buch eine Geschichte, da soll Line für eine Bewerbung bei einer Werbeagentur eine Hymne auf die Brezel schreiben. Die Musikerin Susanne Schempp – mit der ich gemeinsam mit dem „Laugenweckle“ getourt bin – hat bei der Vertonung einen Tango, den Brezeltango, daraus gemacht. Bei den Lesungen singen Susanne Schempp und ich ihn dann zusammen. Und Tarik, der neu im Buch auftaucht und Line den Kopf verdreht, schleppt sie zum Tango tanzen, was aber gehörig schief geht.
 
GOOD NEWS: Wird es einen dritten Teil geben?
 
Elisabeth Kabatek: Das weiß ich im Moment noch nicht. Weiterschreiben werde ich auf jeden Fall, aber was – mal schauen.
 
GOOD NEWS: Was wünschen Sie sich für den „Brezeltango“?
 
Elisabeth Kabatek: Ich würde mir natürlich wünschen, dass die Leute sagen, dass der genauso gut ist wie das „Laugenweckle“. Was mich absolut überwältig hat, waren die Rückmeldungen. Ich habe Tonnen von E-Mails und Postkarten bekommen, die zu 95 Prozent euphorisch waren und in denen sich die Leute bedankt haben. Es gab Leser, die geschrieben haben, dass das Buch eine Ablenkung in einer Notsituation war. Das war das Größte für mich: Dass das eigene Buch andere glücklich macht – mehr kann man sich als Schriftsteller nicht wünschen.
 
GOOD NEWS: Vielen Dank für das Interview, Frau Kabatek. (EE)
 

Über das Buch

Elisabeth Kabateks neuer Roman „Brezeltango“ verspricht ebenso viel Situationskomik und Lokalkolorit wie ihr erstes Buch „Laugenweckle zum Frühstück“. Line und Leon sind eigentlich ein glückliches Paar – bis das große (Gefühls-)Chaos ausbricht. Lines Katastrophen-Gen und Leons Einfamilienhaus-Träume sind ebenso unterhaltsam wie Tante Dorle und Herr Müller-Thurgau. Der Roman ist erschienen im Silberburg-Verlag und kostet 12,90 Euro.

Auf zum Tango, Brezel!
(Bild: Silberburg Verlag)
28.10.2010
(Ausgabe 30. Oktober 2010)
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