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Eines von Monets impressionistischen Wasserbildern.
Kunst in Stuttgart
Drei gewinnt
Große Meister für eine Sonderausstellung bemühen, altbekannte Kunstwerke malerischer Koryphäen in die eigenen Räumlichkeiten hängen − das ist weder etwas Neues noch aus kultureller Sicht enorm Spannendes. Dachte sich auch die Staatsgalerie, die das Ausstellungsjahr 2012 gleich mit einem Paukenschlag beginnen lässt: Unter dem schlichten Namen „Turner – Monet – Twombly“ versammelt der Kunsttempel ab dem 10. Februar 2012 Spätwerke der Maler William Turner, Claude Monet und Cy Tombly in einer großen Sammelausstellung.
200 Jahre Kunstgeschichte
Es ist wohl das erste Mal, dass diese drei wichtigen und großen Köpfe der ausdrucksstarken Malerei in einer einzigen zusammenhängenden Schau geehrt werden – zumal sie gemeinsam rund 200 Jahre Kunstgeschichte abdecken. Und darüber gibt es schließlich viel zu erzählen.
William Turner
Der älteste Vertreter der neuen Ausstellung ist der Brite William Turner. Geboren 1775 in London, gilt der mit vollständigem Namen Jopseh Mallord Willian Turner als einer der federführenden Köpfer der Romantik. Längst ist er einer der bekanntesten und bedeutendsten Maler aus England, was neben seiner lebenslangen Verbundenheit zum Wasser insbesondere seinen dramatischen Naturszenen zu verdanken ist, die seinerzeit unzählige andere Künstler inspirierten.
Magische Bilder
Unfassbar sind vor allem die Ausmaße seines Werkes: Über 20.000 Einzelwerke hat er zu Lebzeiten gefertigt – und von Fließbandproduktion kann nicht die Rede sein, wie in der Staatsgalerie schnell deutlich wird. Ob das beinahe apokalyptische „Krieg – Das Exil und die Napfschnecke“ oder das düstere, typisch melancholische „Friede – Bestattung auf See“: Seinen Bildern wohnt eine starke Magie inne, die den Besucher förmlich in ihren Bann zieht.
Claude Monet
Da in der Staatsgalerie insbesondere die Spätwerke des Engländers zu sehen sind, wird deutlich, weshalb Turner als wichtiger Vorläufer des Impressionismus gesehen wird und somit auch als maßgeblicher Einfluss von Claude Monet angesehen werden kann. Der Franzose (1840-1926) begann seine Laufbahn als Maler, der mehr oder minder dem Bereich des Realismus zuzuordnen war.
Impressionistische Werke
Insbesondere ab seiner mittleren Schaffensphase zeigte Turners Vorarbeit dann aber entsprechend Wirkung und Monet wandelte sich zu einem wichtigen und stilgebenden Impressionisten. Sein weltberühmtes Bild „Impression, Sonnenaufgang“, das den Hafen Le Havres zeigt, gab dieser Stilrichtung gar ihren Namen. Die Werke, die in der Staatsgalerie zu sehen sind, können ebenfalls in dieser Schublade verbucht werden – „Das Meer bei Fécamp“ etwa mit seinen gedeckten, blassen und dennoch ausdrucksstarken Farben oder die wunderschönen Seerosen in dem wenige Jahre vor seinem Tod entstandenen „Nymphéas“. Auch bei Claude Monets Beitrag zu dieser großen Ausstellung sind Abwechslung und Kohärenz zwei geschickt ausgespielte Trümpfe. Die Mischung macht‘s eben auch hier.
Cy Twombly
Cy Twombly ist der modernste Vertreter der drei Künstler und will auf den ersten Blick nicht so recht zu den beiden alten Meistern passen. Genau hierin liegt jedoch der Reiz, der den Werken des erst letztes Jahr verstorbenen Amerikaners innewohnt. Als einer der herausragenden Vertreter des abstrakten Expressionismus ließ auch er sich von Turners respektive Monets Vorarbeit leiten – auch wenn das auf den ersten Blick nicht erkennbar ist.
Ungestüm und geheimnisvoll
In seinen Bildern vermengt der auch als Fotograf und Objektkünstler tätig gewesene Maler kräftige, expressiv und dick aufgetragene Farben zu satten, symbolhaften Gemälden, die immer ein wenig mehr zu sein scheinen als man auf den ersten Blick für möglich hält. Ungestüme und dennoch geheimnisvolle Bilder wie „Wilder Shores Of Love“ oder seine prächtigen „Vier Jahreszeiten“ brechen die Grenzen des Greifbaren auf und bedienen sich bei allerhand mystischer Symbolik. Kalt lässt das gewiss niemanden – zumal Twombly weit von expressionistischer Selbstverwirklichung entfernt ist und stets die Bildharmonie im Blick behält.
Der gemeinsame Kontext
Richtig spannend wird „Turner – Monet – Twombly“ allerdings erst, wenn man bereit dazu ist, die drei Künstler in einen gemeinsamen Kontext zu setzen. „Im Dialog mit Twomblys abstrakten Ölbildern zeigt sich, wie radikal und modern Turners Bildsprache in seinen späten Jahren war. Neben Monet erweist sich Turner als Wegbereiter des Impressionismus. Und Twombly wirkt im Kontext von Monet und Turner geradezu klassisch“, beschreibt man bei der Staatsgalerie diese epochenübergreifende Wirkung des Triptychons.
Ausdruck einer ungebrochenen Lebenskraft
Auch, dass man sich bei allen drei ausschließlich auf die Spätphase beschränkt, hat gute Gründe, wie es weiter heißt: „Turner, Monet und Twombly teilen in ihrem Spätwerk eine Leidenschaft für expressive Farben, Auflösung der Form, Atmosphäre und Verdichtung. Die letzte Schaffensperiode ist Ausdruck einer ungebrochenen Lebenskraft.“ Das lässt sich getrost unterschreiben und macht eines gewiss: Ebenjene Gegenüberstellung von insgesamt 70 Spätwerken ermöglicht es, die eigentlich bereits bekannten Künstler in einem völlig neuen Licht zu sehen. (BS)
Weitere Informationen: www.staatsgalerie.de
04.02.2012
(Ausgabe 04. Februar 2012)










