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Stäffele to heaven
Schein und Sein
Die Trilogie „Stäffele to Heaven“ beschäftigt sich mit Liebe und Sexualität. (Bilder: Falk Wenzel)
Beim Stück „Dürfen die das?“ geht es ganz schön zur Sache: Eine Frau mittleren Alters macht sich an einen Jüngling ran.
Buntes Treiben auf drei Etagen.
Es ist ein bunter Reigen, der sich da auf vier Etagen abspielt. Unten empfängt die Cannstatter Domina einen „gut gestellten Angestellten“ mit schwäbischem Akzent, um ihn durch Schmerz und Pein zur ultimativen Ekstase zu treiben.
Der gut gestellte Angestellte
Im ersten Stock kehrt er heim zu seinem festen Verhältnis. Im Gleichklang deklamiert der Angestellte mit seiner Gattin, sie seien „ein Paar, das dasselbe denkt und doch so weit auseinander ist, dass es keine Anziehungskraft mehr gibt.“
Nur mal probieren
Deshalb versucht sich die Frau mittleren Alters an einem schmucken, vollrasierten Jüngling – wenn auch vergeblich: Der Junge ist schwul und wollte nur mal probieren, wie’s mit einer Frau sein könnte.
Rauf und runter zwischen den Etagen
Mehr oder minder erfolglos geht der Liebesreigen weiter. Rauf und runter. Zwischen und mit den Geschlechtern. Es wird gezotet, philosophiert, rezitiert, gedichtet und gesungen. Kalauer. Gassenhauer. Liebeslieder.
Die Zuschauer sind gefragt
Die Schauspieler auf der Bühne des Kammertheaters wollen es wirklich wissen. Sogar vom Publikum. Ein Fragebogen wird mitten in der Inszenierung unter den Zuschauern verteilt: Was ist Liebe? Was halten Sie von der Ehe? Mit wem hätten Sie lieber nicht geschlafen? Mit wem hätten Sie gerne geschlafen, haben sich aber nie getraut zu fragen?
Dürfen die das?
Das Stück „Dürfen die das?“ ist der äußerst kurzweilige erste Teil der Trilogie „Stäffele to Heaven“ am Staatstheater Stuttgart. Und diesem statistischen Teil des Abends gingen schon jede Menge Fragen voraus.
Stuttgarter sind Grundlage des Stücks
Denn Regisseurin Corinna Preisberg und Dramaturg Christian Holtzhauer haben Stuttgarter rund um Liebe, Beziehung und Sexualität befragt. Die Antworten bildeten die Grundlage für das Bühnenstück.
Aufschlussreiche Szenen
„Es ist sicher kein repräsentativer Querschnitt, der das gesamte Spektrum von der konservativen Beziehung bis zur völligen sexuellen Freiheit abdeckt“, sagt Corinna Preisberg. Und doch sind die einzelnen Szenen exemplarisch sehr aufschlussreich.
Mit der Schere im Kopf
Christian Holtzhauer, der nicht nur das Stück sondern das gesamte Projekt „Stäffele to Heaven“ leitet, wagt sogar eine zeitgemäße Deutung der Sachlage: „In der bürgerlichen Gesellschaft waren bestimmte sexuelle Neigungen und Liebespraktiken sanktioniert. Heute hätten die Leute alle Möglichkeiten – aber die Schere sitzt im eigenen Kopf.“
"Kürzere Tage" - der zweite Teil
Wie scharf diese Schere schneiden kann, zeigt auch das zweite Stück „Kürzere Tage“ nach dem gleichnamigen Erfolgsroman der Stuttgarter Autorin Anna Katharina Hahn. Roman und Stück spielen irgendwo im Stuttgarter Lehenviertel.
Mütter und Ehefrauen - der Schein wird gewahrt
Die Protagonistinnen heißen Leonie und Judith. Beide leben in äußerlich gutsituierten Verhältnissen. Mütter und Ehefrauen, die auch mal ein Leben davor hatten. Jetzt ist halt alles anders. Die Familie funktioniert. Der Sex ist öde. Der Schein wird gewahrt.
Was ist Liebe?
Beide versuchen die Klingen der Schere auseinanderzuhalten, die an irgendeiner Stelle eine Spielart des Glücks abschneiden könnte. Die Fragen, die sich Leonie und Judith stellen, sind auch hier dieselben: Was ist Liebe? Was halten sie von der Ehe? Mit wem hätten sie lieber nicht geschlafen? Mit wem hätten sie gerne geschlafen, haben sich aber nie getraut zu fragen?
Die Gretchenfrage der Liebe
„Der äußere Schein lässt oft nicht den Abgleich mit den inneren Stärken, Schwächen und Bedürfnissen zu“, sagt Johanna Wehner. Aber die Regisseurin lässt keinen Zweifel daran, dass auch das nur eine von vielen möglichen Antworten auf die Gretchenfrage der Liebe ist.
"Wir werden sehen" - der dritte Teil
Um richtige Antworten geht es ja auch gar nicht. Zumindest nicht pauschal. Vielleicht wissen wir auch mehr, wenn der dritte Teil der „Stäffele to Heaven“ Anfang März die Trilogie abschließt. „Wir werden sehen“, heißt das Stück von Juliane Kann. (RC)
Per Umfrage wurden die Stuttgarter nach Liebe, Sex und Beziehungen befragt und gestalteten so durch ihre Aussagen das Stück mit.
06.02.2010
(Ausgabe Februar 2010)











