Skateboardmuseum

Surfen und Boarden

Mit einem Holzroller fing alles an. Wenn den Kindern früher, so erzählt es Sven Daubenfeld, der Steg mit dem Lenker vom Roller abbrach, fuhren sie eben auf dem Brett alleine weiter. So entstand das Skateboard, heute nicht nur ein Brett, um durch die Straßen zu fahren – vielmehr ein Sportgerät, das ein Kunstwerk darstellt, ein Statement abgibt, ein Lebensgefühl verkörpert.

 

Über 1.000 Exponante nehmen das Skateboard auseinander

Die Geschichte des Skateboards von den Anfängen in den 1920er-Jahren bis heute kann man sehr anschaulich im 2. Untergeschoss des Filmhauses Stuttgart erleben. Im europaweit einzigen Skateboardmuseum haben die Gründer Jürgen Blümlein und Daniel Schmid auf etwa 200 Quadratmetern eine beachtliche Sammlung an Decks, Rollen, Schuhen, Spielzeug, Magazinen, Fotos und Raritäten ausgestellt – insgesamt über 1.000 Exponate.

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Das Skateboardmuseum zeigt die vielfältigen Motive der Brett-Unterseiten.
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Skateboards halten viel aus, sind aber auch nur Bretter.
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Die richtige Kleidung als Skateboarder gehört dazu.
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Farbenfrohes Museum: Künstler entdeckten die Unterseite des Boards für sich.


„Surfbrett“ für die Straße

Was 2003 als zweiwöchige Ausstellung mit dem Namen „Skateboardfieber“ begann, ist zur dauerhaften Institution geworden. Betritt man den Keller mit den nackten Betonwänden, sieht man als erstes Exponat ein Paar alte Rollschuhe – das Boarden war nicht die erste Sportart, bei der sich die Menschen Rollen unter die Füße schnallten.
 

Das Brett und die Lenkstange

Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelte sich aus dem Holzroller für Kinder langsam das Brett ohne Lenkstange und Hilfsmittel. Ein Möbelhersteller schraubte die Rollen von Rollschuhen unter die Armlehnen seiner Stühle, fertig war das erste Skateboard! Bis sich die Sportart als solche entwickelte, bedurfte es noch einiger Zeit.

 

Der Ursprung liegt beim Surfen

Einen ersten Boom erlebte das Skateboarden Anfang der 1960er-Jahre: Surfer aus den USA hatten eine Art kleineres „Surfbrett mit Rollen“ entwickelt, auf das sie bei ausbleibendem Wellengang umsteigen konnten, und verlegten das Wellenreiten damit auf die Straße.
 

Das Deck als Kunstwerk

In den folgenden Jahren folgten viele Experimente mit Form und Material, an der Wand im Skateboardmuseum wird es von nun an außerdem zusehends farbiger. Die Unterseite des Skateboard-Decks entdeckten Künstler, professionelle Skater und Skateboardfirmen recht bald als ideale Fläche, um Bilder, Logos oder auch politische Botschaften zur Schau zu stellen.
 

Platz für Kreative

So führt die Ausstellung den Besucher zum einen kontinuierlich durch die Jahrzehnte, gleichzeitig zeigt sich hier aber eine farbenfrohe Galerie mit den unterschiedlichsten Motiven und Stilen. Es finden sich düstere Totenkopfmotive, irrwitzige grell-bunte Geschöpfe, kunstvolle Logos berühmter Skater und nicht zuletzt Produktionen von lokalen Künstlern.
 

Ort im „Land der Ideen“

Anfangs stieß die Idee vom Skateboardmuseum auf Skepsis: Dieses lärmende Gerät, mit dem Jugendliche die Stadt unsicher machten, schien nicht unbedingt geeignet für ein eigenes Museum. Inzwischen jedoch sind die Räume in der Friedrichstraße regelmäßig in der „Langen Nacht der Museen“ begehbar. In der bundesweiten Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ ist das Museum zu einem der 365 „Ausgewählten Orte“ gewählt worden.
 

Ausgezeichnetes Ehrenamt

„Es ist wichtig für uns, dass wir als Museum wahrgenommen werden“, freut sich Sven Daubenfeld über diese Entwicklung. Er kümmert sich gemeinsam mit Florian Schmid um die Ausstellung, wenn die Gründer nicht anwesend sind. Die Arbeit machen die Jungs alle ehrenamtlich, ein Engagement, das ihnen 2006 Platz zwei des Ehrenamtspreises „Echt gut – Junge Macher in Baden-Württemberg“ einbrachte.
 

Mitmachen erwünscht

Zu den Besonderheiten gehört auch, dass hier generationenübergreifend etwas geboten wird: vielleicht in dem Sinne, Geschichte für die Älteren, Action für die Jüngeren? Denn das Skateboardfahren zwischen den Exponaten ist hier ausdrücklich erwünscht! Im hinteren Teil der Kellerräume steht hierzu sogar ein Mini-Bowl zur Verfügung, in dem sich jeder, der mag, austoben kann. Wer kein eigenes Brett mitgebracht hat, kann sich eines leihen, inklusive Schutzausrüstung.
 

Kostenlos, aber nicht umsonst

Besuch und Führungen sind kostenlos: „Es ist uns sehr wichtig, dass jeder hier hereinkommen kann“, sagt Sven Daubenfeld: „Denn das Skateboarden ist eine Jugendkultur, die gegenüber jedem offen ist.“ Die Freiheit, die der Sport verkörpert, möchten die Betreiber auch im Museum umgesetzt wissen. (VK)

07.08.2010
(Ausgabe August 2010)
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