Pop Freaks in Stuttgart

Top of the Pops

Top of the Pops
Fünfziger-Charme und lässiger Zeitgeist: Die Mobilettes.

Was heißt es eigentlich, ein Freak zu sein? Klingt heutzutage ja eher negativ, diese Bezeichnung. Aber warum eigentlich? Schließlich bedeutet das Wort ursprünglich nicht mehr als eine gewisse charakterliche Besonderheit. Und das ist ja allemal besser als langweilig und austauschbar zu sein.

Popmusik aus deutschen Landen

Das gilt auch für den Musikgeschmack – vor allem, wenn man in Zeiten von Castingshows und seelenlos produzierten Retortenhits dazu steht, ein Fan der Popmusik zu sein. Noch dazu ein Fan der Popmusik aus deutschen Landen. Das Pop Freaks-Festival im Merlin tut das nun schon seit geraumer Zeit. Und leistet dabei unschätzbare Dienste für die Rehabilitierung der Popmusik in anspruchsvollen Musikkreisen.

Es tut sich was

2012 geht Pop Freaks in die fünfte Runde. Und die letzten vier Jahre und Festivals haben dabei vor allem eines gezeigt: Es tut sich was im deutschen Pop. Jede Menge sogar. „Genau deshalb gibt es das Pop Freaks-Festival“, erklärt Barbara Bruns vom Kulturzentrum Merlin im Stuttgarter Westen. „Wir finden, dass die deutsche Popmusik in den letzten Jahren eine überaus interessante Entwicklung durchlaufen hat, die wir mit diesem Festival würdigen wollten.“

Das CanSongFest

Aufgefallen ist das dem Merlin-Team schon beim Ausrichten ihres jährlichen CanSongFests. Immer mehr talentierte Neuentdeckungen fanden den Weg ins Programm, bis man schweren Herzens feststellte, dass dies den doch relativ eng gesteckten Rahmen des Chansons sprengen würde. Doch die Lösung lag auf der Hand und erfreut sich unter dem Namen Pop Freaks längst bester Gesundheit. Dieses Jahr wird das Festival bereits fünf.

Die fünfte Auflage des Festivals

Am gestrigen Freitag, dem 13. Januar 2012, ist die fünfte Auflage des Festivals an den Start gegangen. Bis zum 28. Januar 2012 werden neun Bands und Künstler im Kulturzentrum live zu erleben sein. Einen Nachzügler gibt es dann noch am Samstag, den 11. Februar 2012, zu bestaunen: „Die Jolly Goods können leider erst nach Ablauf des regulären Festivals bei uns aufschlagen. Wir freuen uns dennoch sehr, dass sie nach ihrem sensationellen Auftritt beim letztjährigen Festival erneut in Stuttgart Station machen“, erzählt Barbara Bruns.

Direkt ins Ohr und unter die Haut

Gründe zur Freude gibt es natürlich noch viel mehr: Die Pop-Sensation Laing etwa, der Neue Deutsche Welle-Antiheld Andreas Dorau oder die Fünfziger-Charmebolzen The Mobylettes. Allesamt spannende und erfrischende Stimmen der deutschen Popmusik, die eindrucksvoll beweisen, dass dieses Musikgenre zu Unrecht auf Radiogedudel und halbstarke Casting- Gewinner reduziert wird. Hier gibt es seelenvolle, berührende und vor allem ehrliche Musik, die direkt ins Ohr, unter die Haut und rein ins Tanzbein geht. Aus musikalischer Sicht alles richtig gemacht, könnte man sagen.

So manche Entdeckung

Die Entscheidung, welche Bands auf dem Pop Freaks zu finden sind, fällt dabei Merlin-intern und unter fachkundiger Ägide von Arne Hübner. Barbara Bruns klärt auf: „Wir sind immer auf der Suche nach tollen Neuentdeckungen und den nächsten Trends, aber vor allem müssen uns die Bands natürlich musikalisch gefallen.“ Das führte in den letzten Jahren zu mancher Entdeckung, die auf der kleinen aber feinen Veranstaltung im Stuttgarter Westen eine ihrer ersten Liveauftritte gab: Die extravagante Berliner Truppe Bonaparte etwa, die 2009 für Furore sorgte, oder die brasilianischstämmige Künstlerin Dillon, die längst groß durchgestartet ist.

Verdient hätten sie es alle

Man kann also davon ausgehen, dass auch in diesem Jahr mancher Künstler im Merlin von sich reden macht, über den schon bald deutschlandweit gesprochen wird. Ganz heiße Kandidaten sind für Bruns übrigens Jolly Goods, Laing und die Heiterkeit. Und eines ist sowieso klar: Verdient hätten sie es alle.

Ein kleiner, feiner Club und entspannte Leute

Natürlich darf man kein gewaltiges Festival mit allerlei Brimborium, spektakulären Bühnenshows und Effekten erwarten. Vielmehr geht es beim fünften Pop Freaks einzig und allein um die Musik. Und die wirkt auf einer kleinen Bühne, in intimer Atmosphäre und unter gleichgesinnten Musikliebhabern für gewöhnlich eh am besten. „Die Besucher können sich auf einen kleinen, feinen Club und entspannte Leute freuen – vor und auf der Bühne“, umschreibt Barbara Bruns das Festivalerlebnis. „Bei uns ist die Unmittelbarkeit zu Besuch, es gibt neue Trends und vielversprechende Musikhoffnungen zu entdecken.“ Mit anderen Worten: Es wird spannend und zugleich entspannend. Ein Widerspruch? Keinesfalls – doch das kann jeder ab sofort selbst herausfinden. (BS)

Weitere Informationen:
www.merlin-stuttgart.de

14.01.2012
(Ausgabe 14. Januar 2012)
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