Neue Musik in Stuttgart

Unterhaltung nicht ausgeschlossen

Unterhaltung nicht ausgeschlossen
Nicht so ernst, wie sie schauen: Das theatralische Konzert der Neuen Vocalsolisten.

„Neue Musik – was ist das eigentlich?“, fragt man sich unweigerlich. Denn obwohl es diesen Terminus seit bald 100 Jahren gibt und er im Allgemeinen die „ernste Musik“ der Jetztzeit in Abgrenzung an die Populärmusik umreißt, ist er doch alles andere als konkret. So hat jeder seine ganz eigenen Vorstellungen von den Klängen, die hinter dieser Bezeichnung lauern.

Spannende Facetten

Obwohl eine jede von ihnen zweifellos richtig ist, deckt sie doch nur einen geringen Teil der musikalischen Strömung ab, die sich unter dem Banner der Neuen Musik zusammenfassen lässt. Das traditionsreiche Stuttgarter Festival ECLAT demonstriert eindrucksvoll, dass sich diese Klänge längst nicht nur auf Atonalität oder herausfordernden Zwölftonmusik beschränken lassen und lädt vom 9. bis 12. Februar 2012 ins Theaterhaus, um die Neue Musik in all ihren spannenden Facetten zu feiern.

Keine alltäglichen Klänge

Der Festivalname ECLAT ist natürlich nicht zufällig gewählt – immerhin handelt es sich bei der Neuen Musik um keine alltäglichen Klänge, die das Gehör schon mal provozieren können. „Das kann man durchaus so sehen“, nickt Petra Heinze. Sie ist die Pressesprecherin des Festivals und bestens mit dieser Musikgattung vertraut. „Das Festival ist als Störung gedacht, als Knall. Es soll ein Ereignis sein, und dabei spielt die Provokation natürlich schon eine gewisse Rolle.“

Zentrales Projekt – Tanztheater

Mit einer pseudoelitären Abgrenzung verkopfter Intellektueller will man dennoch nichts zu tun haben. Seit Jahren öffnet man sich bewusst anderen Genres, will endgültig weg vom Ruf einer allzu weltfremden Musikgemeinde. Petra Heinze zufolge ist das so gut wie geschafft: „Die Neue Musik, und mit ihr auch das ECLAT, sind glücklicherweise längst aus dieser Nische ausgebrochen. Selbst der Unterhaltungsfaktor ist nicht mehr so verpönt wie er das einst gewesen sein mag. Das wird man auch beim diesjährigen Festival sehen: Ein zentrales Projekt ist das Tanztheater.“

Schwerpunkt Klavier

Und wer immer noch seine Zweifel hat, ob die Neue Musik nicht doch etwas zu abgehoben ist, dem sei geraten, einfach eine der Veranstaltungen im Theaterhaus zu besuchen – unter dem Schwerpunkt „Klavier“ gibt es viel zu entdecken. „Nachdem im Vorjahr der Stimme diese Sonderstellung zukam, wird 2012 zu sehen sein, was verschiedene Komponisten und Musiker aus diesem Instrument herausholen.

Experimentelle Musik

Dieser Fokus ist aber nur als Ansatz zu sehen, als Idee eines roten Fadens. Zu konzeptig wird es auf dem ECLAT nie zugehen.“ Denn eines bleibt die Neue Musik bei aller Öffnung: Experimentell. Das wird an Performances wie „Platzregen“, aber auch an einem anderen Highlight zu sehen sein, auf das sich Heize und das übrige Team besonders freuen: „Ein Höhepunkt ist zweifellos das Konzert der Neuen Vocalsolisten, das – ebenfalls wie das Musiktheater - am Samstag stattfinden wird. Hier wurde versucht, etwas sehr Theatralisches auf die Beine zu stellen, was dieses Konzert beinahe zu einem zweiten Musiktheater macht.“ Man sieht also: Es gibt viel zu entdecken in der Neuen Musik. Und das ECLAT könnte die perfekte Einstiegsdroge sein. (BS)

Weitere Informationen:www.eclat.org

04.02.2012
(Ausgabe 04. Februar 2012)
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