Ballett in Stuttgart

Von Dieben und Liebhabern

Paris im Jahr 1680. Die am königlichen Hof hoch angesehene Dichterin Fräulein von Scuderi hilft, eine mysteriöse Mordserie aufzuklären. Immer wieder werden in den Straßen der französischen Hauptstadt adelige Männer durch einen gezielten Stich ins Herz getötet. Alle hatten gemein, dass sie mit edlem Schmuck des Goldschmieds Rene Cardillac auf dem Weg zu ihrer Geliebten waren. Allen wird der Schmuck gestohlen. Als der Sonnenkönig Ludwig XIV. sich mit seiner Hofdichterin berät, antwortet sie: „Ein Liebhaber, der Diebe fürchtet, ist der Liebe nicht würdig.“

Abschied vom Stuttgarter Ballett

Christian Spuck gelingt mit der Inszenierung von E.T.A. Hoffmanns erster Kriminovelle nach sechs Jahren als Tänzer und zehn Jahren als Hauschoreograph ein spannender Abschied vom Stuttgarter Ballett. Noch einmal bringt er alle Charakteristika zusammen, die ihn in den vergangenen Jahren weit über die Grenzen Stuttgarts bekannt gemacht haben: Spuck kombiniert große Literatur und besondere Tanzsprache, vielseitige Musikauswahl und hochkreative Ausstattung.

Musik, Licht und Kostüme

Für letzteres setzte er nach Erfolgen wie Lulu – Eine Monstertragödie oder Der Sandmann wieder auf die Zusammenarbeit mit Emma Ryott. Kaum einen Monat vor der Uraufführung zeigt sie sich noch immer entspannt. Bereits seit Juli 2011 arbeitet das Team an der Produktion. „Wir treffen uns und sammeln Ideen. Wie soll das Stück aussehen? In welche Richtung soll es gehen?“, erzählt Ryott. Wir sind neben Christian Spuck und Emma Ryott auch Komponist Martin Donner und Lichtdesigner Reinhard Traub. Denn so wichtig die ausgefeilte Körpersprache der Balletttänzer, so wichtig ist auch die richtige Auswahl der Musik, das passende Licht und natürlich Kostüme, in denen die Tänzer leichtfüßig über die Bühne schweben.

Zwischen opulent und minimalistisch

„Genauso wie unsere Kleidung im Alltag etwas über uns aussagt, erzählen auch die Kostüme eine Geschichte.“ Die Theaterdesignerin wandelt erfolgreich auf dem schmalen Grat zwischen exakter historischer Vorlage und moderner Verarbeitung. Gekonnt vereint sie das Opulente des 17. Jahrhunderts mit dem Minimalistischen der Moderne. „Die Kostüme geben dem Zuschauer ein Gefühl für die Epoche, für die Zeit, in der die Geschichte spielt“, so Ryott.

Auf den Schnitt kommt es an

Weltweit hat sie bereits Schauspieler, Sänger und Tänzer in die richtigen Kostüme gesteckt. Der Unterschied zwischen Theater oder Oper und Ballett liegt auf der Hand. „Die Tänzer müssen sich ganz anders bewegen können. Sie müssen ihre Beine in die Luft schwingen können, darin springen und tanzen können.“ Wichtig ist dabei nicht das richtige Material. „Man kann jedes Material für Ballettkostüme verwenden. Aber auf den Schnitt kommt es an“, weiß die Designerin. „Solange die Kostüme richtig geschnitten sind und die Tänzer sich darin bewegen können, ist es egal, ob sie in Smokings oder Stretchanzügen tanzen.“ Alles wird in Handarbeit angefertigt.

„Ich wollte immer Theaterdesign machen“

Emma Ryott weiß, wovon sie spricht. In den letzten 20 Jahren arbeitete sie unter anderem für die Metropolitan Opera New York, die Oper in Göteborg, bei den Bregenzer und den Salzburger Festspielen, für die Royal Shakespeare Company, das Finnische Nationalballett und am Broadway. „Ich wollte immer Theaterdesign machen“, erzählt sie. 2003 holte Christian Spuck sie für sein Erfolgsstück Lulu – Eine Monstertragödie nach Stuttgart. Seither war sie in über 20 seiner Stücke, nicht nur in Stuttgart, sondern auch am Hessischen Staatstheater Wiesbaden und im Staatstheater am Gärtnerplatz München, verantwortlich für die Ausstattung.

Alte Bekannte

Für Das Fräulein von S. holte sich Christian Spuck mit Emma Ryott aber nicht die einzige alte Bekannte ins Team. Die Hauptrolle seines Abschiedsstücks schrieb er jener Tänzerin auf den Leib, die ihn vor vielen Jahren zum Stuttgarter Ballett geholt hatte. Mit Marcia Haydée als Madeleine von Scudéry steht ab dem 10. Februar 2012 eine der außergewöhnlichsten Tänzerinnen der Welt auf der Bühne des Großen Hauses, die einst als Primaballerina und später als Ballettdirektorin das Stuttgarter Ballett prägte. Eine weitere Hauptrolle konnte mit der französischen Schauspielerin Mireille Mossé besetzt werden, die den Zuschauern aus Filmen wie Die Frau auf der Brücke oder Swimming Pool bekannt ist.

Spannende Verlosung

Natürlich werden aber auch die ersten Solisten des Stuttgarter Balletts Alicia Amatriain, Anna Osadcenko, Myriam Simon, Katja Wünsche, William Moore, Marijn Rademaker und Jason Reilly nicht fehlen. Zur Uraufführung von Christian Spucks Abschiedsinszenierung verlost das Stuttgarter Ballett unter anderem einen Besuch hinter den Kulissen und bei den Proben des Balletts. Alles zum Gewinnspiel finden Neugierige auf der Homepage www.stuttgarter-ballett.de
 
Eine spannende Herausforderungen

Emma Ryott und ihr Team haben bis dahin noch einiges zu tun. „Erst kurz vor der Premiere legen wir das letzte Mal Hand an“, sagt sie. Das Fräulein von S. ist mit 33 Tänzern bisher Christian Spucks am größten besetzte Balletinszenierung. Für die Kompanie des Jahres 2011 bieten die detailreich gestalteten Einzelrollen und der große Corps de ballet eine spannende Herausforderung. Dem Zuschauer verspricht die Inszenierung großartige Unterhaltung in feinster Körpersprache. (GW)

04.02.2012
(Ausgabe 04. Februar 2012)
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