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Ausstellungen im Kunstmuseum
Von Stuttgart in die Welt
Elger Essers Fotografie „Le Treport“ scheint wie aus einer anderen Zeit. (Bilder: Katalog)
Elger Esser, 27 Wimereux, 2004
Elger Esser 2007 in der San Francisco Bay.
Es kommt nicht oft vor, dass ein Museum zeitgleich zwei Ausstellungen präsentiert, die so viel verbindet und die doch unterschiedlicher nicht sein könnten. Diese seltene Koinzidenz kann man derzeit im Kunstmuseum Stuttgart bestaunen.
Zwei Stuttgarter Künstler
Gezeigt werden Werke von Elger Esser und Gerda Taro. Beide sind in Stuttgart geboren. Beide sind ausgezogen, um mit der Fotokamera die Welt einzufangen. Ihr fotografischer Blick erweitert den Horizont. Jeder für sich. Jeder auf seine Weise.
Die Bildreporterin Gerda Taro
Gerda Taro, 1910 in Stuttgart geboren, erlebt ihre Kindheit und Jugend in Stuttgart. 1929 zieht die Familie nach Leipzig, vier Jahre später flieht Taro vor den Nationalsozialisten nach Paris. Dort wird sie Bildreporterin.
Der Weg führt nach Spanien
Im August 1936 fährt sie mit ihrem Lebensgefährten, dem berühmten Fotografen Robert Capa, nach Spanien, um über die kriegerische Auseinandersetzung zwischen Republikanern und Franco- Faschisten zu berichten. Zuerst arbeitet Taro für Capa, später vermehrt für sich selbst.
Nah dran am Geschehen
Gerda Taros Fotografien aus den Krisengebieten sind menschlich und unmittelbar. Die Kriegsfotografin ist keine distanzierte Beobachterin, sondern nimmt am Geschehen teil – was ihr letztlich zum Verhängnis wird. 1937 kommt sie kurz vor ihrem 27. Geburtstag bei einem Rückzugsgefecht ums Leben.
Dicht und konzentriert
Gerda Taros Werk musste deshalb ein unvollendetes bleiben. Auch deshalb wirkt die Ausstellung, die vom International Center of Photography in New York zusammengestellt wurde, extrem dicht und konzentriert.
Der Fotokünstler Elger Esser
Dreißig Jahre nach Gerda Taros Tod kommt Elger Esser in Stuttgart zur Welt. Er versteht sich weniger als Bildberichterstatter, sondern als ein Fotokünstler, der die bildnerischen Möglichkeiten und auch den Abbildcharakter der Fotografie hinterfragt.
Fotos aus einer anderen Zeit
„Eigenzeit“ heißt die Ausstellung Essers im Kunstmuseum Stuttgart – und der Titel erinnert daran, dass eine fotografische Aufnahme nicht nur ein fotografisches Motiv festhält, sondern auch eine eigene Zeit kreiert. So benennt Elger Esser zwar die fotografierten Dörfer, Fluss- oder Küstenlandschaften. Und doch scheinen die Fotos aus einer anderen Zeit zu stammen.
Ganz eigene „Eigenzeit“
In einer anderen Werkgruppe schöpft Esser aus dem Fundus seiner historischen Postkartensammlung, deren Motiv er stark vergrößert oder handkoloriert. In Essers Werken findet man sogar Heliogravüren, die nach einem der ältesten fotografischen Druckverfahren hergestellt wurden. Auch in diesem technischen Sinne haben Elger Essers Fotografien ihre ganz eigene „Eigenzeit“. (RC)
Weitere Informationen:
Elger Esser, „Eigenzeit“: bis 11. April 2010
Gerda Taro, „Krieg im Fokus“: bis 16. Mai 2010
Kunstmuseum Stuttgart
Gerda Taro, „Krieg im Fokus“: bis 16. Mai 2010
Kunstmuseum Stuttgart
Öffnungszeiten:
Täglich außer Mo: 10 - 18 Uhr; Mi und Fr: 10 - 21 Uhr
Gerda Taros Bilder berühren den Betrachter unmittelbar.
Gerda Taro an der Guadalajara-Front im Juli 1937.
06.03.2010
(Ausgabe März 2010)











