Lange Stuttgarter Kriminacht

Zur vollen Stunde wird es mörderisch

Zur vollen Stunde wird es mörderisch
Zur vollen Stunde wird es mörderisch
Silvija Hinzmann lässt als „angelernte“ Stuttgarterin ihre Krimis in Stuttgart spielen. (Bild: Dr. Britta Schmitz)

Kriminalistisch, mörderisch und vielleicht auch ein bisschen blutig wird es werden, denn Piet, Herr Kroll, Lazlo, Hermine Mollenkopf und Lilli haben sich angekündigt.
Sie und noch einige mehr sind die Protagonisten der Krimis, die bei Stuttgarts langer Kriminacht am 22. November von ihren Autoren vorgestellt und gelesen werden.
 
Wer ist der Mörder?
Nachdem die Premiere im letzten Jahr mehr als 400 Krimifans begeisterte, werden auch in diesem Jahr im Rahmen der Stuttgarter Buchwochen wieder von 19 Uhr bis Mitternacht Kriminalfälle aufgeklärt und Mordfälle gelöst.
 
Krimis aus Stuttgart
Die Mutter von Hermine Mollenkopf ist Silvija Hinzmann. Die gebürtige Kroatin lebt seit ihrem 14. Lebensjahr in Stuttgart und so ist es nicht verwunderlich, dass sich ihre Geschichten in und um die Landeshauptstadt abspielen.
 
Eine "angelernte" Stuttgarterin
Wie sie dazu kam, Krimiautorin zu werden? „Eigentlich durch Zufall. Durch meine Arbeit als Übersetzerin hatte ich immer viel in diesem Metier zu tun. Mein Beruf führt mich immer wieder zur Polizei, ins Gefängnis oder vor Gericht“, so Silvija Hinzmann. Sie wollte immer Autorin werden – dass es nun im Moment die Kriminalliteratur sei, habe sich dann einfach ergeben, erzählt sie. Inzwischen hat die „angelernte Stuttgarterin“, wie sie sich selbst bezeichnet, einen Kriminalroman und etliche Kurzkrimis veröffentlicht. Und das in nur sechs Jahren.
 
Die Geschichte spielt da, wo man sich auskennt
Der Grund dafür, dass die Krimis in der Region spielen, ist ein praktischer. „Die Geschichte muss ja irgendwo spielen und warum dann nicht da, wo man sich auskennt“, erklärt die Schriftstellerin. Außerdem gäbe es seit einigen Jahren geradezu einen „Regionalkrimi-Boom“ und die Verlage würden gern das annehmen, was gerade angesagt sei.
 
Sechs weitere Autoren stellen ihre Geschichte vor
Neben Silvija Hinzmann werden noch sechs weitere Autoren ihre zum Teil noch unveröffentlichten Werke im Haus der Wirtschaft vorstellen.
Der mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnete Friedrich Ani liest den Kurzkrimi „Gesprengte Ketten“. Neben seiner Krimireihe um Kommissar Tabor Süden hat er bereits für den „Tatort“ und „Rosa Roth“ geschrieben.
 
Extra für die Kriminacht verfasst
Eigens für Stuttgarts lange Kriminacht hat Henning Boëtius die Kurzgeschichte „Ein äußerst bequemer Schaukelstuhl“ verfasst. Bekannt ist der in Berlin lebende Schriftsteller durch die Reihe um den Ermittler Piet Hieronymus, der auch in dieser Nacht den Fall lösen wird.
Für den Glauser-Preis wurde 2007 Horst Eckerts Krimi „Wege zum Ruhm“ nominiert und genau diesen wird er dieses Jahr in Stuttgart lesen.
 
Ermittlung auf eigene Faust
Petra Pfänders Protagonistin Lilli sucht auf eigene Faust nach einem Täter, dessen Mord sie zufällig beobachtet hat. Als sie ihn findet, wird sie zur Erpresserin, doch geht es hier nicht ums Geld. „Die Mitgift“ ist in der Anthologie „Mord isch halt a Gschäft“ veröffentlicht, die kriminelle Köstlichkeiten rund um Stuttgart bietet.
 
Doppelt mordet besser
Eine Doppellesung gibt es auch. Thomas Hoeps Kurzgeschichte „Gelatine“ wird neben Jac. Toes „Die Vertrauenssache“ gelesen. In diesem Jahr haben die beiden gemeinsam dem Kriminalroman „Nach allen Regeln der Kunst“ verfasst, der nun für den wichtigsten holländischen Krimipreis den „Gouden Strop“ nominiert wurde.
 
Zur vollen Stunde wird gelesen
Das Konzept des letzten Jahres hat sich bewährt: In verschiedenen Räumen lesen die Autoren immer zur vollen Stunde. So hat man die Möglichkeit nacheinander alle Autoren und ihre Geschichten kennenzulernen.
 
Überraschendes Ende
Silvija Hinzmann liest im Raum namens Heilbronn. Weiß sie denn schon zu Beginn, wer der Mörder sein wird? „Manchmal weiß ich’s, manchmal nicht. Bei Kurzgeschichten ist man oft enttäuscht, wenn es zu konstruiert ist. Es ist eben ein künstlerischer Prozess und man ist nicht selten selbst überrascht darüber, was dabei raus kommt“, erzählt sie.
 
Tipps von Fachleuten
„Fachliche“ Hilfe holt sie sich bei der Polizei, Juristen oder auch Kollegen. „Ich tausche mich gerne aus, wenn es um Mord- oder Ermittlungsmethoden geht.“ Die Schriftstellerin ist Mitglied in den Krimiautorenverbänden „Das Syndikat“ und „Mörderische Schwestern“. Für sie müsse ein guter Krimi interessante, lebensnahe Figuren haben, psychologisch gut ausgearbeitet sein und vor allem dürfe der Humor nicht fehlen.

Gespannt sein darf man also auf ihre Kurzgeschichte „Marmor, Stein und Eisen...“. (PIR)


Weitere Informationen:

21.11.2008
(Ausgabe Dezember 2008)


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