Gedenken an Ferry Porsche

Der Beschleuniger

Als Porsche 1961 den Typ 901 vorstellt – jenen Wagen, der als 911 zur Legende werden wird – ist Ferry Porsche auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Seinem neuen Führungsstil ist es zu verdanken, dass die Presse sich in Lobeshymnen über die „gute, deutsche Wertarbeit“ und die „ungewöhnliche Präzision“ ergeht, die bis heute synonym mit der Marke Porsche sind.

Geburt der neuen Generation Porsche
Dem schweren Erbe als Nachfolger des so genialen wie kantigen Vaters Ferdinand ist der Sohn durch sein Wirken mehr als gerecht geworden. Ferdinand Anton Ernst Porsche kommt am 19. September 1909 in Wiener Neustadt zur Welt.

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1994 Ferry Porsche an seinem 85. Geburtstag im Porsche Typ 356 „Nr. 1“.
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Ferry Porsche mit seinem VW-Porsche 914-8 auf dem Schüttgut in Zell am See (1969).
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Dr. Ing. h.c. Ferdinand Porsche mit seinem Sohn Ferdinand Anton Ernst ("Ferry") Porsche, der schon früh im väterlichen Konstruktionsbüro mitarbeitete.
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Ferry Porsche 1968 mit 911 2,0 Coupé.

Der Vater ein Rennfahrer
Sein Vater ist nicht zu gegen – er gewinnt gerade das Bergpassrennen auf dem Semmering. Erst auf dem Siegertreppchen erfährt er von der Geburt seines Sohnes. Schon früh beginnt für Ferry die Karriere.


Erfahrungen von Bosch und Steyr
Im Alter von 21 Jahren steigt er als Detailkonstrukteur und Versuchsleiter in das Konstruktionsbüro des Vaters ein, nachdem er bei Bosch und Steyr intensive Erfahrungen mit dem Automobilbau gesammelt hat.

Führungsqualitäten werden früh gelebt
Führungsqualitäten verlangt ihm der Vater schon bald darauf ab, indem er ihn mit der Kundenbetreuung und der Koordination der Konstrukteure betraut. Während Ferdinand Senior für den Reichsverband der Automobilindustrie (RDA) das Volkswagen-Werk in der „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ – dem heutigen Wolfsburg – plant, übernimmt Ferry immer mehr Führungsaufgaben, bis er schließlich die Geschäfte in Zuffenhausen vollständig leitet.

Der Vater gerät in Gefangenschaft
Die Anerkennung des Vaters sichert sich der junge Konstrukteur mit einem Husarenstück: Als Ferdinand Senior Ende 1945 in französische Gefangenschaft gerät, entwickelt Ferry den Sportwagen „Cisitalia“ selbstständig fertig und kauft seinen Vater mit dem Erlös frei.

Zurück aus Frankreich mit einem Lob
Nach der Haftentlassung lobt der Patriarch: „Keine Schraube hätte ich anders gemacht.“ Nach dem Tod des Firmengründers Ferdinand Porsche im Jahr 1952 zieht ein neuer Führungsstil im Familienunternehmen ein.

Meine Crew und ich
War der Vater cholerisch, aufbrausend und extrovertiert, ist Ferry sanftmütig und teamorientiert, lässt sich mitunter sogar von seinen technischen Mitarbeitern unter Druck setzen. Unter dem Motto „Meine Crew und ich“ bleibt Ferry bis zum Börsengang 1972 Geschäftsführer der Dr. Ing. h. c. F. Porsche GmbH und leitet die Geschäfte danach bis 1990 als Aufsichtsratsvorsitzender.

Der Rennsport als Entwicklungsmotor
Ferry Porsches Führungsstil ist ebenso ungewöhnlich wie seine Auffassung vom Fahrzeugbau. So hält er zum Beispiel am Rennsport als Entwicklungsmotor fest – ein Prinzip, das als archaisch und ineffizient gilt – treibt damit aber in Rekordzeit den Stabilisator und die Ringsynchronisation für Schaltgetriebe zur Serienreife.

Ingenieure aus dem Rennmetier

Ferry resümiert: „Rennen sind praktisch Kriegszustand für die Konstrukteure und dieser Druck beschleunigt die Entwicklung.“ Der Erfolg gibt ihm recht. Zum Technologie-Spitzenreiter wird Porsche auch durch eine besondere Personalstrategie: Ferrys Ingenieure sind handverlesen und müssen nicht nur technischen Sachverstand, sondern auch Rennerfahrung auf Grand-Prix Niveau mitbringen.

Zurück zu den Wurzeln
„Jeder von ihnen“, prahlt Ferry seinerzeit, „könnte woanders Chef sein.“ Mit diesen „Fahr-Ingenieuren“ geht der Chef persönlich die gesamte Planung zu jedem Modell durch. Entwicklerische Extravaganzen finanziert Porsche durch eine weitere Besonderheit: Mit Rückgriff auf die Wurzeln der Firma als Konstruktionsbüro entwickelt Porsche neue Technologien im Fremdauftrag, auch als die eigenen Sportwagen längst weltweit bekannt sind.

Was nicht geklaut wird, ist nicht gut

Über diesen Umstand witzeln die Mitarbeiter: „Wenn etwas nicht mindestens innerhalb eines Jahres geklaut wurde, dann war es nicht gut.“ Im Gegenzug testen Ferrys „Fahr-Ingenieure“ methodisch die Entwicklungen der Konkurrenz, um keinen Techniktrend zu verpassen.

Duftende amerikanische Zigaretten
Auch privat schlägt Ferry einen ungewohnten Kurs ein. Bei den raren Presseterminen gibt er sich als weltläufiger Playboy, dem die Presse gerne den „Habitus eines angelsächsischen Gelehrten“ attestiert. Immer dabei: die duftenden amerikanischen Zigaretten. Mit seiner Frau Dorothea hat er vier Söhne.

"Herr Doktor"
Der Erstgeborene, Ferdinand Alexander, verhilft dem 911er zu seiner unverwechselbaren Linienführung und gründet die Agentur Porsche Design. Besonders verärgert gibt sich Ferry, wenn er aufgrund des Firmennamens Dr. Ing. h. c. F. Porsche AG als „Herr Doktor“ angesprochen wird.

Ein Ehrendoktortitel, Professur honoris causa
Stand und Rang bedeuten dem Vollblutkonstrukteur nichts. Es mutet fast ironisch an, dass Ferry für seine Verdienste um die Fahrzeugtechnik im Laufe der Zeit einen Ehrendoktortitel, eine Professur honoris causa, das Bundesverdienstkreuz und viele weitere Auszeichnungen verliehen bekommt.

Nach Zell am See um Ruhe zu finden
Häufig sucht Ferry die Abgeschiedenheit auf dem Landgut der Familie im österreichischen Zell am See, wo er es genießt, „telefonisch nicht erreichbar zu sein und mein Essen selber kochen zu können.“ Er pflegt den privaten Kontakt zu seinem Schwager, Anton Piëch, analog zur intensiven Zusammenarbeit zwischen Porsche und den Volkswagen-Werken.

Ein Resumée
Als Ferry Porsche 1998 in Zell am See stirbt, ist er mit der Firma seines Vaters den langen Weg vom kleinen Konstruktionsbüro bis zum weltweit gerühmten Sportwagenproduzenten gegangen.

Die Geschichte vom Porsche-Logo
Unter seiner Führung entstanden der Porsche 911 und das heutige Firmenlogo – als Geistesblitz, den Ferry der Legende nach auf die Serviette eines New Yorker Restaurants kritzelte. Trotz oder vielleicht gerade wegen seines schrulligen Führungsstils schuf der Konstrukteur Ferry Porsche aus seiner Firma einen Mythos. (FF)

05.09.2009
(Ausgabe September 2009)
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