Kräuterhexen von heute
Thymian & Co: Kräuterheilkunde ist kein Hokuspokus.

Kräuterheilkunde in Stuttgart

Kräuterhexen von heute

Man nehme: Je 30 g Mutterkraut und Mädesüß, sowie je 20 g Pfefferminze und Weidenrinde. Ein Teelöffel dieser Mischung mit einer Tasse heißem Wasser übergießen, zehn Minuten ziehen lassen und – simsalabim – schon hat man einen heilenden Kräutertee gegen akute Kopfschmerzen. Ja, das Erkennen von magischen Heil- und Zauberkräutern ist die höchste Kunst jeder ordentlichen Hexe – fernab von Spinnenbein und Krötenschleim. „Wir bezeichnen uns als moderne Kräuterhexen“, lachen Natalie Ingenhoven und Sabine Richartz von der Kräuterwerkstatt Stuttgart. Aber es ist keine Zauberei, was die beiden jungen Frauen fabrizieren.

Heilkunde mit natürlichen Mitteln

Die Kräuterheilkunde ist die älteste Heilkunde, um einige Wehwehchen in den Griff zu bekommen. Und das ganz natürlich und ohne jegliche Chemie. „Die Hexen, und daraus hervorgehend später die Hebammen, waren hauptsächlich kräutererfahrene Frauen, die ihre Arbeit zwischen Leben und Tod ausübten. Sie begleiteten neues Leben in die Welt, aber auch die Sterbenden in die andere Welt. Und dabei verwendeten sie natürliche Mittel“, erzählt Sabine Richartz.

Seit Jahrhunderten eingesetzt

Aber auch schon die alten Griechen, Ägypter und Chinesen fanden Gefallen an der Nutzung von Pflanzen mit Heilungsabsicht. Selbst unser „Ötzi“ – die Gletschermumie aus der Kupferzeit – trug Birkenporlinge bei sich. Das ist ein Kraut, das entzündungshemmend gegen Wunden eingesetzt wurde. Die Natur war schon vor Jahrhunderten der Helfer der Menschen. „Ohne Pflanzen hätten wir heutzutage keine Medizin, denn die Basis all unserer heutigen Medikamente entstammt der Natur“, sagt Natalie Ingenhoven.

Bewusstsein zur Natur zurückbringen

Das bekannteste Beispiel sei das Aspirin. Der Hauptinhaltsstoff wurde ursprünglich aus der Weidenrinde gewonnen. Heute wird das Präparat, wie viele andere Medikamente auch, synthetisch hergestellt. Und in der Kraft der Natur stecken noch viele Geheimnisse, die wir noch nicht kennen. Und genau deshalb haben Sabine Richartz und Natalie Ingenhoven in diesem Jahr ihre Kräuterwerkstatt in Stuttgart-Obertürkheim gegründet. „Wir möchten den Menschen das Bewusstsein zur Mutter Natur wieder zurückbringen und zeigen, wie viel Heilungspotential in Kräutern steckt.“

Faszination für Kräuter

Dabei gingen beide Frauen ursprünglich ganz andere berufliche Wege. Natalie Ingenhoven ist Einzelhandelskauffrau, wusste aber bereits früh, dass sie sich mehr mit Kräutern verbunden fühlt als mit Aktenordnern. „Schon immer hat mich die Natur- und Pflanzenwelt fasziniert. Der Geruch der Rinde eines Baumes, der Duft einer Blume, die beeindruckende Ausstrahlung eines Krauts, das sich seiner Stärke bewusst ist und doch auf den ersten Blick für uns Menschen so unscheinbar wirkt.“ Beide Wahl-Stuttgarterinnen absolvierten unabhängig voneinander eine Heilpraktikerausbildung und lernten sich anschließend in der Heilpflanzenschule Freiburg kennen. Hier kann man die Heilpflanzenkunde, also die sogenannte Phytotherapie, erlernen.

Gleichberechtigung für Kräuterheilkunde und Schuldmedizin

„Es ist faszinierend, wie einfach man sich selbst mit Kräutern helfen kann“, schwärmt Richartz. Natürlich könne man mit Pflanzen nicht jede Krankheit bekämpfen. Ein Beinbruch beispielsweise braucht nun mal einen Arzt und den Gips. „Aber der Heilungsprozess lässt sich wunderbar mit der Einnahme von bestimmten Kräutern beschleunigen.“ Eine Kombination aus traditioneller Kräuterheilkunde und moderner Schulmedizin würde vieles verbessern. „Unser Wunsch ist es, dass beide Verfahren als gleichberechtigt angesehen werden.“

Angebote für Interessierte an Kräuterheilkunde

Und so klären Sabine Richartz und Natalie Ingenhoven mit viel Freude auf, indem sie ihr Wissen über die Heilkraft der Kräuter in diversen Workshops und Vorträgen weitergeben. Auch bieten die jungen Mütter Kräuterwanderungen an und erklären Interessierten, wo man Kräuter findet, wie man sie richtig erntet und wozu sie verwendet werden können. „Wir legen viel Wert darauf, dass wir uns mit den einheimischen Pflanzen beschäftigen“, erklärt Ingenhoven.

Heilkräuter aus der Region

Eine Vielzahl von Kräutern findet man zum Beispiel in den Weinbergen rund um Stuttgart. Ob Johanniskraut, Ringelblume, Schafsgarbe oder Spitzwegerich. Die schwäbischen Wiesen und Wälder haben einiges zu bieten. Aber natürlich könne man nicht zu jeder Jahreszeit jedes Kraut finden und nicht jedes Kraut lässt sich ganzheitlich verarbeiten. Von manchen verwendet man nur die Blüten, von manchen nur die Wurzeln. Gerade die Herbstzeit sei die Zeit der Wurzeln. Löwenzahnwurzeln seien zum Beispiel wunderbare Helfer gegen Verdauungsbeschwerden – die Wurzel des Baldriankrauts hingegen kocht man als Tee aus, der gegen Schlafstörungen und Nervosität helfe.

Kräuter gegen Grippe & Co

Wenn man anfängt, sich mit Heilpflanzen auseinanderzusetzen, merkt man schnell, wie umfangreich dieses Thema ist. „Die Kräuterheilkunde fordert unser ganzheitliches Denken“, schwärmt Richartz. „Es gibt nicht das Kraut für die Beschwerde. Sondern es gibt das Kraut für jegliche Art von Beschwerden.“ Aber welche Kräuter sollte jeder in seiner Hausapotheke parat haben? „Gerade jetzt zur Grippezeit hilft Thymiankraut, das früher als Kraut der armen Leute bezeichnet wurde.“ Thymian kann man leicht als Tee aufgießen oder als Brustbalsam anrühren und hilft erfolgreich gegen Erkältungen. Genauso gilt der Spitzwegerich als Sirup, der Halsschmerzen verschwinden lässt. Ringelblume als Salbe oder Öl haben sich als eine gute Wundheilerin erwiesen. Und bei Kindern ist die Kamille sehr beliebt. Diese kann man schmackhaft als Tee zubereiten und gegen Bauchschmerzen oder Übelkeit anwenden. „Pflanzen können aber auch sehr gut auf der seelischen Ebene helfen“, erklären die beiden Kräuterhexen aus Stuttgart. Die Bachblüten- Therapie ist das bekannteste Beispiel dafür.

Respekt zur Natur

Wer also Näheres über die heimischen Kräuter und deren Wirkung erfahren möchte, lernt dies in den vielseitigen Workshops der Stuttgarter Kräuterwerkstatt. Sabine Richartz und Natalie Ingenhoven möchten mit ihrer Einrichtung der Natur mehr Respekt zollen. Die Mutter Erde sei unser Zuhause und dementsprechend sollten wir mit ihr umgehen. „Wer Unkraut im Garten hat, sollte sich zweimal überlegen, ob er giftiges Vernichtungsmittel verwendet, oder ob er einfach nur wachsen lässt, was wachsen möchte.“ (TS)

Weitere Informationen: www.heilpflanzenzauber.de

Kräuterhexen von heute
Kräuterexperten: Sabine Richartz und Natalie Ingenhoven.
05.11.2011
(Ausgabe 05. November 2011)
Bookmark bei: Mr. Wong Webnews Bookmark bei: Yigg Bookmark bei: Technorati Bookmark bei: Linkarena Bookmark bei: Google Bookmark bei: Folkd Bookmark bei: Del.icio.us