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Wälder in Stuttgart
Wald vor lauter Bäumen
Alter Baumbestand sorgt für verwunschene Ecken.
Sonntag, 17. Mai 2012. Vatertag. Die Sonne strahlt, die Bäume tragen ihr saftigstes Grün. Und an den Bärenseen streifen tausende Städter durch die Wälder. Damit das in geordneten Bahnen für Mensch und Tier abläuft, braucht es eine Instanz, die sich um den Wald kümmert und ein wachsames Auge auf seine Bewohner und Besucher hat – die Mitarbeiter der Abteilung Forstamt.
Konstant viel Wald in Stuttgart
„Ein Viertel der Stuttgarter Fläche ist bewaldet, was auch im Vergleich mit anderen Städten wirklich viel ist“, weiß Judith Reinsperger vom Forstamt Stuttgart. „Egal, wo man sich bewegt, sieht man ins Grüne oder befindet sich mittendrin und kommt sich gar nicht vor wie in einer Großstadt.“ Trotz neuer Baumaßnahmen wird diese Waldfläche, diese gern zitierte „grüne Lunge“, der Stadt erhalten bleiben – auch darauf hat das Forstamt ein Auge. „Da achten wir tatsächlich schon seit Jahrzehnten drauf“, nickt Frau Reinsperger. „Natürlich finden Bauvorhaben statt, für die manchmal auch wenige Quadratmeter Wald in Anspruch genommen werden müssen. Im Zuge dessen müssen aber stets ausreichend Flächen gefunden werden, wo neuer Wald wachsen kann. Die Waldfläche soll konstant bleiben.“
Die Unterteilung der Wälder
Wer beim Thema Forstamt gleich an einen bärtigen Förster mit getreuem Hund, Jagdhorn und Flinte über der Schulter denkt, liegt gewiss nicht völlig falsch, muss dieses Bild aber doch an die Gegebenheiten eines modernen Verwaltungsapparates anpassen. „Dafür hole ich etwas weiter aus“, meint Reinsperger schmunzelnd und legt dar, wer denn nun genau für welchen Baum zuständig ist: „In Stuttgart gibt es rund 5.000 Hektar Wald, der sich in den 2.700 Hektar großen Stadtwald der Stadt Stuttgart, den Staatswald des Landes mit 2.000 Hektar und wenige Hektar Privatwald aufgliedert. Wir sind für die Betreuung und Bewirtschaftung des Stadt- und Staatswaldes zuständig, haben aber auch ein Auge auf den Privatwald.“
Gesetze für den Laubholzwald
Alle Waldbesitzer müssen sich an das Landeswaldgesetz halten, damit es in und um Stuttgart auch weiterhin so schön grünt. Für süddeutsche Verhältnisse ist Stuttgarts Wald etwas ganz Besonderes: „Hier herrscht Laubholzwald vor, insbesondere Buche und Eiche spielen eine vorrangige Rolle. Man muss nur an den Schwarzwald mit seinen Nadelhölzern denken, um zu merken, dass das nicht der Normalfall ist.“
Viel Arbeit für den Förster
Der bereits erwähnte klassische Förster streift übrigens wirklic noch durch die Wälder. Ob er tatsächlich Bart und Hund dabei hat, können wir an dieser Stelle allerdings nicht bestätigen. „Im Stuttgarter Forstamt gibt es den Innendienst mit acht Mitarbeitern, zudem gibt es sechs Forstreviere mit jeweils einem Förster, der diesem klassischen Bild entspricht.“ Unterm Strich macht das etwa 45 Beschäftigte, die dafür sorgen, dass der Wald Erholungsgebiet und Lebensraum für Mensch und Tier bleibt. Und bei 5.000 Hektar Wald, was grob gerechnet einer Fläche von 7.000 Fußballfeldern entspricht, kann das eine ganze Menge Arbeit sein.
Naturschutzgebiete und mehr
Die Hauptfunktionen des Waldes rund um Stuttgart, so Judith Reinsperger, sind hauptsächlich der Erholung und dem Naturschutz vorbehalten. Es gibt diverse Schutzgebiete, die es auf über 1.000 Hektar bringen und strengen Beobachtungen unterliegen. Naturschutzgebiete, ausgewiesene Biotope, Schonwälder und diverse weitere Schutzkategorien schützen den Wald und die individuellen Bedürfnisse von Flora und Fauna. „Wir haben im Stadtgebiet eine Mehrfachüberlagerung von Waldfunktionen: den Erholungswald, den Sichtschutzwald, den Wasserschutzwald, den Immissionsschutzwald und einige weitere Arten“, gibt Reinsperger Einblick in die komplexe Materie.
„Geschossen wird nur nach strengen Regeln“
Wald ist eben nicht gleich Wald. So wird natürlich auch in den Wäldern rund um die Landeshauptstadt gejagt. „Teilweise werden die Flächen von uns in Eigenregie bejagt, teilweise von Jagdpächtern, die sich bei Interesse an uns wenden können.“ Nachhaltigkeit steht auch hier im Vordergrund, geschossen werden darf nur nach strengen Regeln und in bestimmten Zeiten. Es ist nämlich eine Menge los in unseren Wäldern, wie Frau Reinsperger darlegt: „Rehwild und Schwarzwild kommen bei uns natürlich vor, in Gehegen auch Arten wie Rotwild, das hier nicht von Natur aus heimisch ist.
Einiges los in den Wäldern
Es gibt eine Vielzahl an Vogelarten – vom Bussard über den Milan bis hin zu diversen Spechtarten wie dem Mittelspecht. Verschiedene Käferarten ergänzen das Bild, wo einzelne natürlich besonders gern in alten Bäumen heimisch sind – wie beispielsweise der Juchtenkäfer.“ In der Tat gibt es jede Menge Leben, in und unter den Bäumen, immer wieder trifft man auch auf geschützte Arten, die durch verschiedenste Maßnahmen erhalten werden können. Nicht gefeit ist man beim Forstamt allerdings vor Umweltveränderungen wie Klimawandel oder manch verheerendem Sturm. „Daher müssen wir immer darauf achten, unsere Wälder stabil zu erziehen und zu pflegen.“ Und zu tun gibt es bekanntlich immer was, damit uns Städtern all die Hektar Wald auch künftig als Erholungs- und Rückzugsort erhalten bleiben. (BS)
Weitere Informationen: www.stuttgart.de/wald
26.05.2012
(Ausgabe vom 26.Mai 2012)










