Der aus der Höhle kam
Mit "Caveman" gelang Martin Luding der Durchbruch als Schauspieler. (Bilder: Jörg Becker)

Caveman im Interview

Der aus der Höhle kam

Wir treffen Martin Luding direkt vor der Vorstellung im Theaterhaus-Restaurant. Er kommt solo – wie auf der Bühne. Wir sprechen über seine neue Vaterrolle in „Hi Dad!“ und seine langjährige unsichtbare Bühnenpartnerin Heike.

GOOD NEWS: Wie geht es Heike?

Martin Luding: Der echten oder der unechten?

GOOD NEWS: Sowohl als auch.

Martin Luding: Die echte heißt Christina. Mit ihr bin ich seit drei Jahren verheiratet. Und sie wird im August zum vierten Mal Mutter. Das ist sehr, sehr schön – mit allen Vorzügen, Einschränkungen und Hormonschwankungen, die so eine Schwangerschaft mit sich bringt.

GOOD NEWS:
Seit acht Jahren ist die Bühnen-Heike in „Caveman“ Ihre Lebensabschnittspartnerin. Das klingt nach einer glücklichen Beziehung.

Martin Luding:
Es ist eine längere Beziehung, aber nicht zwangsläufig eine glückliche. (lacht) Die Zuschauer erfahren so viel über Heike, obwohl sie nie wirklich auftaucht. Sie kommt ja nur über mich zu Wort.

GOOD NEWS:
Wie viel Heike steckt in Christina – und umgekehrt?

Martin Luding:
Schon eine ganze Menge, und ich glaube, dass die Inszenierung auch deshalb so erfolgreich ist.

GOOD NEWS:
Und nun stecken Sie in einer neuen Lebensphase: In „Hi Dad!“ werden Sie Vater.

Martin Luding:
„Hi Dad!“ ist ein Vaterstück von einem isländischen Autor, übersetzt von Kristian Bader, der den „Caveman“ in Berlin gespielt hat. Es geht um Schwangerschaft, Vaterschaft und ein Kind, von dem man nicht weiß, ob es ein Junge oder Mädchen ist. Ich habe das Stück erst sechs Mal gespielt, „Caveman“ schon über 1.200 Mal. Meine Erfahrung mit dem Stück, den Pointen und Varianten von „Hi Dad!“ ist noch sehr jung.

GOOD NEWS: Heißt das, dass Sie Ihre Rolle und gewissermaßen auch das Stück ständig weiterentwickeln?

Martin Luding: Man entwickelt nach und nach ein Gespür für das Stück, die Rolle und die Pointen. Und auch ein Gespür dafür, wie das Publikum reagiert. Das war und ist bei „Caveman“ nicht anders. Ich versuche, am Anfang der Vorstellung einen Kalauer einzubauen, um an der Reaktion des Publikums zu testen, wie das Niveau liegt.

GOOD NEWS: Das unterscheidet sich von Vorstellung zu Vorstellung?

Martin Luding: Ja, klar. An einem Abend kommt ein Witz extrem gut an, am nächsten entwickelt er sich zum Rohrkrepierer. Hinzu kommen tatsächlich regionale Unterschiede. Ich habe „Caveman“ zum Beispiel in Dresden gespielt, wo es vor der Wende unmöglich war, West-Fernsehen zu empfangen. Das heißt, mit Anspielungen auf die 1980er-Jahre im Westen – sei es Bonanza-Räder oder Miami Vice – kommt man da nicht weit.

GOOD NEWS: Sie haben wie schon bei „Caveman“ auch bei „Hi Dad!“ mit der Regisseurin Esther Schweins zusammengearbeitet. Was verbindet Sie?

Martin Luding: Uns verbindet in erster Linie eine langjährige Freundschaft. Wir kennen uns seit fast zwanzig Jahren. Ich war ja nicht von Geburt an Schauspieler, sondern habe erst einmal ein solides BWL-Studium abgeschlossen. Aber schon damals sagte Esther: „Der Martin wird mal ein großer Schauspieler – er weiß es nur noch nicht.“ Ich kam dann tatsächlich wie die Jungfrau zum Kind, und zwar über den Kurzfilm „Poem“ zu einer Rolle in der erfolgreichen SAT1-Produktion „36 Stunden Angst“, die 1998 ausgestrahlt wurde.

GOOD NEWS: Und dann kam „Caveman“?

Martin Luding:
Nicht sofort, aber doch zum richtigen Zeitpunkt. Ich hatte nach meinen ersten Rollen beschlossen, mich als Schauspieler durchs Leben zu schlagen – was nicht immer einfach ist. Mit „Caveman“ kam der Erfolg und ich konnte tatsächlich auch von der Schauspielerei leben. Nicht weil die Gagen besonders üppig gewesen wären, sondern weil ich zeitweise 25 Abende pro Monat auf der Bühne stand.

GOOD NEWS: Wie nah sind die Solo-Comedys an Ihrem eigenen Leben, wenn man die unterschiedlichen Lebensphasen der Stücke betrachtet?

Martin Luding: Sehr nah. Auch die Lebensumstände haben miteinander zu tun. „Caveman“ hat mich nach Stuttgart gebracht. Ich habe hier meine Frau kennengelernt. Jetzt spiele ich „Hi Dad!“ und werde auch im wirklichen Leben bald wieder Vater.

GOOD NEWS:
Sie leben in Stuttgart und haben sich hier auch richtig niedergelassen.

Martin Luding: Ja, wir haben im vergangenen Jahr ein charmantes Häuschen mit Stäffelegarten im Stuttgarter Süden gemietet. Da fühlen wir uns sehr wohl.

GOOD NEWS: Was schätzen Sie an Stuttgart besonders?

Martin Luding: Als Berliner habe ich nach und nach die Größe Stuttgarts zu schätzen gelernt. In Berlin tendiert man dazu, sich im eigenen Kiez zu bewegen, weil die Stadt einfach riesig ist. In Stuttgart ist hingegen die ganze Stadt erreichbar.

GOOD NEWS: Verraten Sie uns Ihre persönliche gute Nachricht des Monats?

Martin Luding:
Ich freue mich auf den Frühling und natürlich auf die Geburt unseres Kindes im August!

GOOD NEWS: Herr Luding, wir bedanken uns herzlich für das Gespräch. (RC)
 
 
Steckbrief
 
Name:
Martin Luding

Geburtstag/-ort:
28. April 1971 in Berlin

Beruf:
Diplom-Kaufmann und Schauspieler

Rollen (Auswahl):
Theater
seit 2010: Hi Dad! Hilfe. Endlich Papa, Regie: Esther Schweins
seit 2006: Männerabend, Regie: Michael Schiller
seit 2002: Caveman, Regie: Esther Schweins Silence Regie: Michael Schiller

Kino
2002: Silence Regie: Michael Schiller
2001: Braindogs Regie: Zsolt Bács Poem Regie: Boris Wieland
1997: Poem Regie: Boris Wieland
 
TV
2009:
  • Alarm für Cobra 11, (RTL) Regie: Heinz Dietz
  • Bergwacht, (ZDF) Regie: Axel de Roche
  • Der Dicke, (ARD) Regie: Marc Brummund

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Vom Höhlenmensch zum Bühnen-Vater: ...
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... "Caveman"-Darsteller Schauspieler Martin Luding.
06.03.2010
(Ausgabe März 2010)
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