Interview mit Fola Dada

Gesanglich selbstverwirklichen

Gesanglich selbstverwirklichen
Gesangslehrerin Fola Dada

Jedes Jahr strömen tausende Jugendliche zu den Castings von „Deutschland sucht den Superstar“. Hinter den Kulissen sorgte seit 2005 Gesangslehrerin Fola Dada dafür, dass sie später auf der großen Bühne den richtigen Ton treffen. Die Stuttgarterin steht seit ihrer Schulzeit auf der Bühne und hat mit zahlreichen großen Namen der Musikszene zusammengearbeitet. Heute bietet sie Nachwuchssängern eine neue Anlaufstelle: In ihrer eigenen Gesangsschule Stimmwerk lernen Gesangstalente, dass hinter einem gelungenen Bühnenauftritt weit mehr steckt als nur stimmliches Talent.

GOOD NEWS: Sie sind eigentlich ausgebildete Tänzerin und waren 15 Jahre Mitglied der New York City Dance School. Wie kamen Sie selbst zum Singen?
 
Fola Dada: Das lief ganz klassisch über eine Schul-AG, mit der wir das Musical Linie 1 erarbeitet haben. Durch diese Auftritte wurde die Big-Band meiner Heimatstadt Korntal auf mich aufmerksam und auch die Comedy-Gruppe Les Scheiders. Von Nutella Schneider wurde ich zur Frontsängerin meiner ersten eigenen Band Solarstar und so weiter und so fort. Von da an folgte eine Band der nächsten und Singen wurde mehr oder weniger aus Versehen zum Alltag. Letztendlich ist das Studium und der danach ergriffene Beruf die logische Schlussfolgerung gewesen.
 
GOOD NEWS: Was inspiriert Sie?
 
Fola Dada: Das kann ich ganz einfach benennen: Musik, Natur, Schönheit, Texte, Bilder, Leid, zwischenmenschliche Beziehungen, Träume – also: alles. Ich glaube, wenn mich etwas in Schwingung versetzt, bin ich inspiriert. Das kann auch ein köstliches Essen sein. Dann bin ich lebendig. Leben ist Inspiration.
 
GOOD NEWS: Haben Sie schon einmal einen Auftritt richtig vergeigt?
 
Fola Dada: In meinen Augen natürlich. Das Publikum hat es wahrscheinlich nicht wahrgenommen. Aber ich bin auch sehr streng mit mir und es passiert eigentlich immer auch etwas Unvorhergesehenes oder Unerwünschtes. Den idealen Auftritt gibt es vermutlich nicht. Wenn ich aber nach einem Auftritt mit einem Lächeln ins Bett falle, war es ganz gut. Es ist ja das große Glück des Künstlers: Fast alles was er macht, ist Kunst.
 
GOOD NEWS: Sie unterrichten seit vielen Jahren auch als Dozentin an verschiedenen Hochschulen. Ist es für Ihre eigene kreative Arbeit von Vorteil, dass Sie Ihr Wissen Ihren Schülern weitergeben?
 
Fola Dada: Das ist eine oft diskutierte Frage. Wie viel darf ich unterrichten, ohne mich selbst aus den Augen zu verlieren? Das muss jeder für sich entscheiden. Ich unterrichte sehr gerne und mit Leidenschaft. Ich bekomme viel zurück von meinen Schülern. Mal eine andere Perspektive, einen neuen Song, irgendeine Story, die sich zu einem Lied verarbeiten lässt und natürlich Vertrauen. Das fühlt sich gut an und auch wenn ich die Bühne liebe, gehört Lehrer sein genauso zu mir.
 
GOOD NEWS: „Deutschland sucht den Superstar“ geht in seine neunte Staffel. Sie waren seit 2005 mit dabei. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
 
Fola Dada: Der damalige Musical Direktor, Lillo Scrimali, den ich während der Arbeit mit Joy Denalane kennen gelernt hatte, konnte ein neues Musikteam zusammenstellen und hat mich gebeten den Job als Gesangslehrerin zu übernehmen.
 
GOOD NEWS: Worin liegt für Sie die Herausforderung beim Training mit den Kandidaten?
 
Fola Dada: Wir versuchen in sehr kurzer Zeit aus ganz unterschiedlichen Menschen, die vom Singen – wenn überhaupt – nur instinktiv Ahnung haben, eine sichtbare Entwicklung heraus zu kitzeln. So, dass sie danach sicher auf der Bühne stehen können. Das klappt manchmal super, manchmal nicht, aber es ist immer spannend, was diese außergewöhnliche Situation aus den einzelnen Kandidaten macht. Wer wächst über sich hinaus, wer will es wissen, wer will lieber doch wieder in sein altes Leben zurück und so weiter.
 
GOOD NEWS: Die Gewinner der vergangenen Staffeln geraten immer schneller wieder in Vergessenheit. Trotzdem bewerben sich jedes Mal wieder tausende Jugendliche. Wie erklären Sie sich das?
 
Fola Dada: Die Jugend von heute ist sich sicher, dass es jeder zum Star schaffen kann. Ich glaube, die Vorstellung von einem Funken Ruhm treibt die jungen Menschen immer wieder an und sie kommen auch auf immer neue Ideen, um sich interessant zu machen. Das ist schon erstaunlich. Gleichzeitig merken sie aber auch, dass es mehr braucht als nur diese fixe Idee, Star zu sein, berühmt zu sein. Man braucht Talent, Biss, eine klare Vision, Know-how, Disziplin, Durchhaltevermögen und natürlich sind auch die richtigen Unterstützer auf allen Ebenen unverzichtbar.
 
GOOD NEWS: Werden Sie auch in diesem Jahr wieder den Jugendlichen bei DSDS helfen, den richtigen Ton zu treffen oder muss Dieter Bohlen erst einmal auf Sie verzichten?
 
Fola Dada: Mal sehen, ob ich mich vom Fernsehen ablenken lasse, oder ob die Zeit nicht eher reif ist, meine eigenen Pläne zu verwirklichen. Ich eröffne gerade meine Gesangsschule Stimmwerk hier in Stuttgart. Die Schule soll eine Anlaufstelle für Sänger jeglichen Levels sein. Also auch für Jugendliche, die nicht nur an Stimmbildung und Stimmgebrauch arbeiten wollen, sondern auch durch das Erlernen von Techniken aus Schauspiel und Körperarbeit, wie zum Beispiel Yoga, oder das Vertiefen von Gitarren- bzw. Klavierspiel eine umfassende Ausbildung erhalten wollen. Die Schüler sollen alle Werkzeuge an die Hand gereicht bekommen, die sie brauchen um sich gesanglich selbst zu verwirklichen. Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe.
 
GOOD NEWS: Vielen Dank für dieses Interview. (GK)

12.09.2011
(Ausgabe 10. September 2011)
Bookmark bei: Mr. Wong Webnews Bookmark bei: Yigg Bookmark bei: Technorati Bookmark bei: Linkarena Bookmark bei: Google Bookmark bei: Folkd Bookmark bei: Del.icio.us