Schauspielerin Natalia Wörner über ihre Heimatstadt

"Ich verbinde eine große Wärme mit Stuttgart"

Ich verbinde eine große Wärme mit Stuttgart
(Bild: Kindernothilfe)

Natalia Wörner ist eine Frau mit vielen Seiten: in Stuttgart geboren und aufgewachsen, in New York die Schauspielausbildung absolviert und heute wohnhaft in Berlin. Im Gespräch mit GOOD NEWS erzählt sie, was Stuttgart für sie bedeutet, und berichtet von ihren aktuellen Projekten.
 
 
GOOD NEWS: Frau Wörner, Sie sind in Stuttgart geboren und aufgewachsen. Welches Gefühl verbinden Sie mit Stuttgart?
 
Natalia Wörner: Heimat. Ich bin ja erst aus Stuttgart weggezogen, als ich 18 Jahre alt war. Ich bin in Bad Cannstatt aufgewachsen. Erst im vergangenen Jahr war ich das letzte Mal dort und es ist schon wunderbar, wenn man dann durch den Kurpark läuft. Ich erinnere mich, dass dieser Park für mich als Kind meine Spiel- und Traumwiese war. Ich kenne noch jede Ecke, jeden Geruch. Das sind prägende Kindheitserinnerungen und das ist für mich Stuttgart. Ich komme gerne nach Stuttgart. Ich verbinde einfach eine große Wärme mit der Stadt.
 
GOOD NEWS: Sie sprechen reinstes Hochdeutsch. Wie kommt das denn? Haben Sie sich das Schwäbisch abtrainiert?
 
Natalia Wörner: Ich habe einmal eine schwäbelnde Millionärstochter gespielt. Das war in dem Film „Zum Sterben schön“. Leider ist es in der Schauspielerei in Deutschland überhaupt nicht Tradition, im Dialekt zu sprechen. Aber ich kann natürlich nach wie vor schwäbeln.
 
GOOD NEWS: Im Oktober 2006 lief im ZDF der Krimi „Unter anderen Umständen“ mit Ihnen in der Hauptrolle als schwangere Ermittlerin Jana Winter. Ein ungewöhnliches Projekt, denn damals waren Sie selbst schwanger und die Rolle wurde Ihnen quasi auf den Leib geschrieben. Nun steht eine Fortsetzung des Films an: Am 5. November wird der zweite Teil ausgestrahlt.
 
Natalia Wörner: Es ist tatsächlich so, dass sich das ZDF nach Sichtung des Films schon entschlossen hat, dass daraus eine Reihe wird. Wir haben parallel zum Ausstrahlungstermin den zweiten Teil gedreht. Da der erste Film so ein großer Erfolg wurde, haben sich natürlich alle doppelt gefreut. Und wie es uns das Leben angeboten hat, spielt mein Sohn im zweiten Teil meinen Sohn und wird auch im dritten Teil wieder mitspielen. Er wird mit mir buchstäblich in der Rolle wachsen.
 
GOOD NEWS: Wird die Tatsache, dass Jana Winter eine junge Mutter ist, Einfluss auf die Geschichte haben?
 
Natalia Wörner: Die private Seite von Jana Winter wird immer weiter erzählt. Im zweiten Teil gibt es einen konkreten Anlass, neu über die Situation in der Familie nachzudenken: Der Mann von Jana Winter, gespielt von Matthias Brandt, hat keine Arbeit. In unserer Reihe bietet sich die Chance, ganz normale Dinge, die jeder Mensch kennt, mitzuerzählen, und das finde ich eigentlich ganz schön.
 
GOOD NEWS: Sie drehen ja nicht nur Filme, sondern engagieren sich auch in sozialen Projekten. Sie haben 2004 den Tsunami überlebt und daraufhin eine eigene Hilfsorganisation gegründet. Nun wird sich der Verein „Tsunamihilfe Direkt“ auflösen.
 
Natalia Wörner: Ja, weil unsere Projekte dann alle auf eigenen Beinen stehen. Das war immer die Idee. Unser Motto war von Anfang an „Hilfe zur Selbsthilfe“ und die Projekte stehen jetzt kurz vor der Eigenverantwortung. Die Gelder sind sinnvoll und effektiv verteilt worden.
 
GOOD NEWS: Sie sind Botschafterin der Kindernothilfe. Welches Projekt betreuen Sie dort?
 
Natalia Wörner: Seit letztem Jahr betreue ich ein Projekt in St. Petersburg. Ich war vor einigen Wochen dort, da wir einen Kindergarten eröffnet haben, der durch eine große Spendenaktion der WAZ zustande gekommen ist – ein Kindergarten für Kinder, die mit dem Virus infiziert sind oder deren Mütter AIDS haben. In Russland existiert eine irrationale Angst vor AIDS und Kinder werden einfach nicht in den normalen Alltag integriert. Die Notwendigkeit für einen solchen Kindergarten ist deshalb sehr groß. Jetzt geht es unter anderem darum, weitere Spenden zu bekommen, um die langfristige Finanzierung zu gewährleisten.
 
GOOD NEWS: Fällt es Ihnen schwer, sich nach so einer Reise wieder in Ihren Alltag in Deutschland einzugewöhnen?
 
Natalia Wörner: Ich kann nicht sagen, dass so eine Reise spurlos an mir vorübergeht. Es dauert bis mein normaler Alltag wieder fassbar wird. Dennoch machen mich diese Reisen sehr dankbar, da man sich darauf besinnt, was wirklich wesentlich im Leben ist.
 
GOOD NEWS: Verraten Sie uns Ihre persönliche gute Nachricht?
 
Natalia Wörner: Dass es ein Lebensglück gibt. Dass man, ohne ständig zu vergleichen, eine Dankbarkeit gegenüber dem Leben entwickelt und nicht nur eine Haltung des „Haben Wollens“, that’s the GOOD NEWS.
 
GOOD NEWS: Natalia Wörner, vielen Dank für das Gespräch. (VP)
 

05.03.2008
(Ausgabe Oktober 2007)
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