Ein Interview mit zwei echten Musikliebhabern

Im siebten Musikhimmel

Im siebten Musikhimmel
Hier spielt die Musik. Karlheinz und Brigitte Ratzer in ihrem neuen Domizil.

GOOD NEWS: Herr Ratzer, eine elementare Frage vorweg: Platte oder CD?
 
Karlheinz Ratzer: Das ist ganz klar. Mit was bin ich aufgewachsen? Mit Schallplatten! Das Medium LP ist noch immer aktuell, obwohl es schon sehr oft totgesagt wurde. Es ist eben eine Liebhabergeschichte, keine Frage, aber für mich ist Musik nach wie vor so wichtig, dass ich sie nicht als beliebige Datei auf meinem Rechner haben will.
 
GOOD NEWS: Was war Ihre erste Platte?
 
Karlheinz Ratzer: Das war eine Beatles-Single – „Rock‘n‘Roll Music“. Das muss 1963/64 gewesen sein.
 
GOOD NEWS: Ich nehme an, du hast dich selbst sehr gerne und lange in Plattenläden herumgetrieben, bevor du selbst in einem gearbeitet hast, oder?
 
Karlheinz Ratzer: Natürlich. Bis ich 1975 in einem Plattengeschäft anfing, habe ich mich sehr viel in Proberäumen, Plattenläden oder Musikgeschäften aufgehalten. Damals gab es noch diese wunderschönen Anhörkabinen. Man konnte sich im Laden drei Platten heraussuchen, hat sie am Schalter abgegeben und sie sich dann in Ruhe und mit vernünftigem Sound angehört. Ich hatte regelmäßig zittrige Finger, wenn ich die neue von Black Sabbath oder Deep Purple endlich zu hören bekam.
 
GOOD NEWS: Waren das Ihre Lieblingsbands?
 
Karlheinz Ratzer: Ich bin Fan von einer Band. Wenn mir jemand sagt, dass er 100 Lieblingsbands hat, dann ist das für mich kein Fan. Genau wie jemand, der 100 beste Freunde hat. Das finde ich komisch. Ich bin Fan von Led Zeppelin – und fertig. Wenn eine neue Platte von ihnen herauskam, war ich Wochen im Vorfeld aufgeregt und habe jeden Schnipsel in den Magazinen verschlungen. Sobald es sie zu kaufen gab, ließ ich alles stehen und liegen, um sie endlich in die Finger zu bekommen. Dann ging es ab nach Hause, die Tür wurde zugeschlossen und es gab nur noch diese Platte. Allerdings habe ich neben Led Zeppelin sehr viele Favoriten, die ich bewundere – junge wie alte Bands.
 
GOOD NEWS: Was sind denn Ihre aktuellen Empfehlungen?
 
Karlheinz Ratzer: Ben Harper zum Beispiel, der läuft hier auch gerade. Aber die Auseinandersetzung mit der Musik ist wichtig. Nur, weil ich etwas gut finde, heißt das ja noch lange nicht, dass es auch nur eine andere Person gut finden muss. Deshalb lese ich auch keine Plattenkritiken mehr – man muss sich schließlich selbst ein Bild machen.
 
GOOD NEWS: Und dazu gibt es in Ihrem Laden reichlich Gelegenheit. Wieso kamen Sie eigentlich eines Tages auf die Idee, Ihr eigenes Plattengeschäft zu eröffnen?
 
Karlheinz Ratzer: Ich habe ja wie gesagt 1975 im Plattenladen GOVI am Schlossplatz begonnen, der ganz große Traum war aber von Anfang an, mal ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Das habe ich dann 1984 gewagt – und jetzt sind wir umgezogen.
 
GOOD NEWS: Was hat sich an Ihrem Sortiment durch den Umzug in die Hauptstätter Straße geändert?
 
Karlheinz Ratzer: Im neuen Laden gibt es keine Genres mehr. Es gibt A bis Z – und damit hat es sich. Ich will nicht mehr sagen, dass etwas Country, Blues, Electro oder Jazz ist. Das interessiert mich überhaupt nicht. Ansonsten hat sich nichts geändert: Klassik schließe ich immer noch aus, da es da schon jemanden gibt, der es besser macht als ich es je machen könnte, HipHop habe ich auch relativ wenig im Programm. Das heißt nicht, dass ich diese Musik nicht mag, aber ich kann den Leuten fast nichts dazu sagen, weil ich mich selbst nicht gut genug auskenne.
 
GOOD NEWS: Das würden viele Ihrer Stammkunden bestimmt anders sehen. Sind noch viele Kunden aus den Anfangstagen dabei?
 
Karlheinz Ratzer: Schon noch einige, ja. Sehr viele kommen seit 25 Jahren, einige sind sogar von GOVI mit zu Ratzer gewechselt, sozusagen. Den Leuten, die öfter kommen, gebe ich gerne auch Sachen zum Anhören mit nach Hause, weil ich glaube, dass Musik in einer vertrauten Umgebung noch am besten wirkt. Es geht eben wieder darum, Musik zu wertschätzen und zu respektieren.
 
GOOD NEWS: Aus wie vielen CDs und Platten können die Kunden denn bei Ratzer Records auswählen?
 
Karlheinz Ratzer: So ganz genau kann ich das nicht sagen. Irgendwas zwischen 6.000 und 7.000.
 
GOOD NEWS: Bei so viel Auswahl ist zwischendrin eine Stärkung notwendig – und die kann man dank des neuen Bistrobereichs direkt zwischen stapelweise Schallplatten zu sich nehmen. Wie kam es zu dieser Idee, Frau Ratzer?
 
Brigitte Ratzer: Diese Idee hatten wir schon vor einigen Jahren. Die beiden Konzepte harmonierten aber irgendwie nie. Irgendwann meinte Karlheiz, dass er den alten Laden in der Paulinenstraße nicht mehr mochte, weil da ja mittlerweile leider nichts mehr los ist. Zufällig sind wir dann auf diesen Laden hier gestoßen, in dem sich eben genau das verwirklichen ließ, was wir schon immer wollten. Ich habe ja früher schon 14 Jahre lang mit ihm zusammen im Laden gearbeitet, also wussten wir auch, dass das funktioniert, wenn ich wieder einsteige.
 
GOOD NEWS: Somit ist mit dem neuen Laden durchaus ein Traum in Erfüllung gegangen.
 
Brigitte Ratzer: Ja, „jetzt oder nie“, dachten wir uns.
 
GOOD NEWS: Haben Sie sich schon in der neuen Umgebung eingewöhnt?
 
Brigitte Ratzer: Absolut! Am Anfang dachte ich, dass es schon etwas merkwürdig wäre, in dieser Gegend einen Laden zu eröffnen, doch schon in den Wochen vor der Eröffnung, als wir oft hier im Laden waren, habe ich gemerkt, dass die Menschen hier alle sehr nett sind. Es ist ein bisschen so wie eine Dorfgemeinschaft, bei der jeder auf den anderen aufpasst. Außerdem ist es sehr zentral gelegen, was ja auch ein Vorteil ist.
 
GOOD NEWS: Gibt es eigentlich manchmal Streit, welche Musik bei Ihnen im Laden gespielt wird?
 
Brigitte Ratzer: Nein, da sind wir mehr oder weniger auf einer Wellenlänge. Es ist sogar so, dass ich tendenziell eher die lautere Musik mag. (BS)
 

Weitere Informationen:

Ratzer Records ist ab sofort in der Hauptstätter Straße 31 (direkt neben dem Brunnenwirt) zu finden. Neben einer Vielzahl an Platten und Kaffee, die man jetzt bereits bei ihm erhält, sind Tagessuppen, kleine Snacks, musikalische Kochevents und ausgewählte Unplugged-Konzerte in Vorbereitung.

08.10.2011
(Ausgabe 08. Oktober 2011)
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