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Interview mit Herbert Wursthorn
„Auch mal anschubsen“
Ex-Athlet Herbert Wursthorn
In den Achtzigerjahren war Herbert Wursthorn einer der besten 800-Meter- Läufer der Welt, wurde Deutscher- und Europameister. Heute ist er Laufbahnberater am Olympiastützpunkt Stuttgart und hilft dem Nachwuchs bei der Karriereplanung.
GOOD NEWS: Herr Wursthorn, in vielen Sportarten müssen sogar Nationalspieler nebenher noch arbeiten, um über die Runden zu kommen, während ein Fußballer noch in der Regionalliga ordentlich verdient. Ist das gerecht?
Herbert Wursthorn: Das ist keine Frage der Gerechtigkeit, sondern eine von Angebot und Nachfrage im Sport. Da spielen die Fußballer einfach in einer anderen Liga, die Basketballer übrigens auch. Damit muss man leben. Das weiß man als Sportler auch irgendwann und darf nicht jammern – so brutal das auch klingt. Wenn man als Judoka oder Turner erfolgreich ist und trotzdem nebenher eine Ausbildung oder ein Studium machen muss, dann sollte man das zur Kenntnis nehmen und das Beste daraus machen.
GOOD NEWS: In welchen Punkten unterscheidet sich die Arbeit mit jungen Sportlern von der mit denen, die schon länger dabei sind?
Herbert Wursthorn: In vielen Bereichen ist sie gleich: Beide wollen nach oben, beide wollen ordentliche Ziele erreichen, beide brauchen Unterstützung dabei. Natürlich hat der erwachsene Sportler mehr Reife und organisiert sich Dinge und Dienstleistungen auch mal selber, gerade weil er mehr Erfahrung mitbringt. Die jungen müssen da erst reinwachsen und auch mal angeschubst werden. Dass man etwa auch mal als Vorbeugung zur Physiotherapie geht, auch wenn man nicht verletzt ist. Da unterscheidet sich die Sturm-und-Drang-Phase schon deutlich vom erfahrenen Athleten.
GOOD NEWS: Und da kommen dann Sie als Laufbahnberater ins Spiel?
Herbert Wursthorn: Mein Thema ist der Spagat „Duale Karriere“, die Reibungsfläche zwischen Privatem, der Bildungskarriere und dem Sport. Wie ist etwa in einem Olympiajahr gleichzeitig das Abitur an einem Gymnasium zu schaffen? Wie kann das gehen, wenn man 40 Fehltage hat? Kann man da eventuell das mündliche Abi verlegen und so weiter. Genau an diesem Punkt versuche ich zu helfen. Dass dieser Spagat gelingt, ist meine Aufgabe.
GOOD NEWS: Seit Juni 2011 gibt es die Regelung, dass sich sportliche Nachwuchstalente über ihre schulische und berufliche Karriere informieren müssen, um weiterhin gefördert zu werden. Was halten Sie davon?
Herbert Wursthorn: (lacht) Überfällig! Eine absolut tolle Geschichte. Die Sporthilfe hat gemerkt, dass ein frühes Eingreifen viele Scherben verhindern kann. Wir wollen ja nicht immer nur als Feuerwehr eingreifen, wenn schon etwas angebrannt ist und etwa in der Uni eine Prüfung versemmelt wird. Es hilft oft schon, wenn dem Athleten und seiner Familie mehrere Möglichkeiten aufgezeigt werden, aus denen sie dann wählen können.
GOOD NEWS: Wie sah es denn bisher aus?
Herbert Wursthorn: Ich bin mit 150 Athleten aus 17 verschiedenen Sportarten permanent in Kontakt. Lassen Sie von diesen 150 mal zwei bis fünf Prozent sein, bei denen man sagt: Wäre der früher gekommen, das hätten wir mit einem Gespräch so einfach haben können! Diese Quote ist zwar nicht hoch, wird aber in Zukunft noch weiter gesenkt werden. Wenn man etwa einen Sportler hat, der Sport auch auf Lehramt studieren will und dann die Anmeldung zur Sporteingangsprüfung verpasst – das macht dann richtig Arbeit.
GOOD NEWS: Profisportler zu werden, ist für viele junge Menschen ein Traum. Wie sieht es denn in der Realität aus? Von 100 Sportlern können wie viele damit rechnen?
Herbert Wursthorn: Einer. Grob gesagt. Vielleicht zwei, aber mehr sind das nicht. Von den ganzen 300 Sportlern, die wir betreuen, sind das keine zwei Hände voll, die von ihrem Sport leben können. GOOD NEWS: Nächstes Jahr ist es wieder soweit: In London findet die Olympiade statt. Können Sie schon sagen, in welchem Umfang Stuttgarter Sportler vertreten sein werden?
Herbert Wursthorn: (lacht) Um das zu beantworten, müsste ich in eine Kristallkugel schauen! Aber unsere Zielsetzung liegt etwa bei 25 Stuttgarter Sportlern. Wenn da noch ein bis zwei dazu kommen ist es super – wenn es ein bis zwei weniger sind, können wir auch noch damit leben.
GOOD NEWS: Herr Wursthorn, vielen Dank für dieses Gespräch! (KFF)
GOOD NEWS: Herr Wursthorn, in vielen Sportarten müssen sogar Nationalspieler nebenher noch arbeiten, um über die Runden zu kommen, während ein Fußballer noch in der Regionalliga ordentlich verdient. Ist das gerecht?
Herbert Wursthorn: Das ist keine Frage der Gerechtigkeit, sondern eine von Angebot und Nachfrage im Sport. Da spielen die Fußballer einfach in einer anderen Liga, die Basketballer übrigens auch. Damit muss man leben. Das weiß man als Sportler auch irgendwann und darf nicht jammern – so brutal das auch klingt. Wenn man als Judoka oder Turner erfolgreich ist und trotzdem nebenher eine Ausbildung oder ein Studium machen muss, dann sollte man das zur Kenntnis nehmen und das Beste daraus machen.
GOOD NEWS: In welchen Punkten unterscheidet sich die Arbeit mit jungen Sportlern von der mit denen, die schon länger dabei sind?
Herbert Wursthorn: In vielen Bereichen ist sie gleich: Beide wollen nach oben, beide wollen ordentliche Ziele erreichen, beide brauchen Unterstützung dabei. Natürlich hat der erwachsene Sportler mehr Reife und organisiert sich Dinge und Dienstleistungen auch mal selber, gerade weil er mehr Erfahrung mitbringt. Die jungen müssen da erst reinwachsen und auch mal angeschubst werden. Dass man etwa auch mal als Vorbeugung zur Physiotherapie geht, auch wenn man nicht verletzt ist. Da unterscheidet sich die Sturm-und-Drang-Phase schon deutlich vom erfahrenen Athleten.
GOOD NEWS: Und da kommen dann Sie als Laufbahnberater ins Spiel?
Herbert Wursthorn: Mein Thema ist der Spagat „Duale Karriere“, die Reibungsfläche zwischen Privatem, der Bildungskarriere und dem Sport. Wie ist etwa in einem Olympiajahr gleichzeitig das Abitur an einem Gymnasium zu schaffen? Wie kann das gehen, wenn man 40 Fehltage hat? Kann man da eventuell das mündliche Abi verlegen und so weiter. Genau an diesem Punkt versuche ich zu helfen. Dass dieser Spagat gelingt, ist meine Aufgabe.
GOOD NEWS: Seit Juni 2011 gibt es die Regelung, dass sich sportliche Nachwuchstalente über ihre schulische und berufliche Karriere informieren müssen, um weiterhin gefördert zu werden. Was halten Sie davon?
Herbert Wursthorn: (lacht) Überfällig! Eine absolut tolle Geschichte. Die Sporthilfe hat gemerkt, dass ein frühes Eingreifen viele Scherben verhindern kann. Wir wollen ja nicht immer nur als Feuerwehr eingreifen, wenn schon etwas angebrannt ist und etwa in der Uni eine Prüfung versemmelt wird. Es hilft oft schon, wenn dem Athleten und seiner Familie mehrere Möglichkeiten aufgezeigt werden, aus denen sie dann wählen können.
GOOD NEWS: Wie sah es denn bisher aus?
Herbert Wursthorn: Ich bin mit 150 Athleten aus 17 verschiedenen Sportarten permanent in Kontakt. Lassen Sie von diesen 150 mal zwei bis fünf Prozent sein, bei denen man sagt: Wäre der früher gekommen, das hätten wir mit einem Gespräch so einfach haben können! Diese Quote ist zwar nicht hoch, wird aber in Zukunft noch weiter gesenkt werden. Wenn man etwa einen Sportler hat, der Sport auch auf Lehramt studieren will und dann die Anmeldung zur Sporteingangsprüfung verpasst – das macht dann richtig Arbeit.
GOOD NEWS: Profisportler zu werden, ist für viele junge Menschen ein Traum. Wie sieht es denn in der Realität aus? Von 100 Sportlern können wie viele damit rechnen?
Herbert Wursthorn: Einer. Grob gesagt. Vielleicht zwei, aber mehr sind das nicht. Von den ganzen 300 Sportlern, die wir betreuen, sind das keine zwei Hände voll, die von ihrem Sport leben können. GOOD NEWS: Nächstes Jahr ist es wieder soweit: In London findet die Olympiade statt. Können Sie schon sagen, in welchem Umfang Stuttgarter Sportler vertreten sein werden?
Herbert Wursthorn: (lacht) Um das zu beantworten, müsste ich in eine Kristallkugel schauen! Aber unsere Zielsetzung liegt etwa bei 25 Stuttgarter Sportlern. Wenn da noch ein bis zwei dazu kommen ist es super – wenn es ein bis zwei weniger sind, können wir auch noch damit leben.
GOOD NEWS: Herr Wursthorn, vielen Dank für dieses Gespräch! (KFF)
22.07.2011
(Ausgabe 23. Juli 2011)










