Gemeinschaftserlebnis Sport

Sport für alle

Sport für alle
Besonders beim Basketball wachsen die Jungs über sich hinaus. (Bilder: Gemeinschaftserlebnis Sport)
Sport für alle
Es geht nicht darum, den anderen auszuspielen, sondern mit ihm zu spielen.
Sport für alle
Die Nachfrage nach dem kostenlosen Angebot ist sehr groß.

„Sieg und Niederlage gibt es in jedem Leben und damit muss jeder klar kommen.“ Uwe Jaeger, Mitarbeiter von „Gemeinschaftserlebnis Sport“, bringt auf den Punkt, was die Teilnehmer dieses Programms lernen.
 
Dumme Ideen aus Langeweile
Der Großteil der Teilnehmer sind Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Familien. Für diese Kinder ist es absolut nicht selbstverständlich, Sport zu treiben, weil sie nicht wissen, welche Angebote es gibt, und sich an die Langeweile in ihrer Freizeit gewöhnt haben. Das Problem: Wo Langeweile entsteht, entstehen dumme Ideen.
 
Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen
Dieser Tatsache wollen die engagierten Mitarbeiter des Programms Gemeinschaftserlebnis Sport entgegenwirken. Angefangen hat alles 1995 mit der Idee, ein Sportangebot für diejenigen zu bieten, die nirgends „unterkommen“. Inzwischen deckt Gemeinschaftserlebnis Sport viel mehr als das ab – es dient der Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen. Auch wenn man den Erfolg bei Präventionsmaßnahmen nicht in Zahlen ausdrücken kann, ist er spürbar.
 
Positive Veränderungen bei den Kindern
Die Kinder und Jugendlichen kommen immer wieder und sind treu, meistens fünf bis sechs Jahre lang. Auch von den Partnern, die sich aus Schulen, Vereinen, Sportverbänden aber auch der Polizei zusammensetzen, kommt oft positive Rückmeldung, wenn sie merken, wie sich ein Kind verändert hat.
 
Der Austausch ist wichtig
„Das funktioniert nur, weil alle an einem Strang ziehen“, so Thomas Krombacher, ebenfalls Mitarbeiter der Organisation. „Nur wenn alle eine Sprache sprechen und wir uns regelmäßig austauschen, können wir gezielt auf die Jugendlichen eingehen und etwaigen Gewalttaten vorbeugen.“
 
Alle Stadtbezirke Stuttgarts sind eingeschlossen
Inzwischen haben die Kinder und Jugendlichen in sämtlichen Einrichtungen der Stuttgarter Stadtbezirke die Möglichkeit, ein sportliches Angebot des Programms zu nutzen. Bisher konzentrieren sich die Angebote vorwiegend auf Grund- und Hauptschulen, aber auch immer mehr Gymnasien werden eingeschlossen.
 
Kostenloses Angebot
Dank vieler engagierter Mitarbeiter und der Träger, der Landeshauptstadt Stuttgart und dem Sportkreis Stuttgart e. V., ist dieser kostenlose Sport unter Betreuung möglich. Allerdings sind die Kapazitäten auch hier irgendwann erschöpft: „Der Bedarf ist sehr groß, aber wir arbeiten am Anschlag!“, appelliert Krombacher an mögliche weitere Helfer und Unterstützer dieses Programms.
 
Betreuer sind Vertrauenspersonen
Gleichzeitig betont er aber, dass die Arbeit mit den Kindern nicht einfach ist. „Das Wichtigste ist, dass wir sie ernst nehmen.“ Die Jugendlichen kommen häufig mit Problemen zu den Übungsleitern, die diese vielleicht gar nicht hören möchten. Trotzdem gelten sie als Vertrauenspersonen und müssen in diesen Situationen richtig reagieren. Auf der anderen Seite bekommt man auch etwas zurück: „Ein Teilnehmer sagte zu mir: ‚Thomas, dir hab ich zu verdanken, dass ich mich in brenzligen Situationen richtig verhalte.‘“
 
Vorbilder im Profi-Sport
„Das tut unheimlich gut“, so Krombacher. Die Treue bestätigt ein ehemaliger Teilnehmer, der nun auch Betreuer ist. Ein weiteres Aushängeschild, das sich sehen lassen kann, ist Konstantin Karamtskos, auch „Koste“ genannt. Er spielt heute in der Bundesliga bei Trier Basketball. Für Jubiläumsfeiern kommt er immer wieder zurück – dahin, wo er begonnen hat, Sport zu machen – zum Gemeinschaftserlebnis Sport.
 
Der Wettkampfgedanke tritt in den Hintergrund
Der Wettkampfgedanke spielt bei Gemeinschaftserlebnis Sport eine untergeordnete Rolle. Im Vordergrund stehen Spiel, Spaß und Sport. Es geht nicht darum, den anderen „auszuspielen“, sondern mit ihm zu spielen. Deshalb wird auch kein Punktestand gezählt.
 
Den Jugendlichen Sportarten näherbringen
Oftmals kennen die Kinder die gängigsten Sportarten wie Fußball oder Basketball gar nicht. Dann geht es in erster Linie darum, die Sportart den Jugendlichen näherzubringen, der Rest kommt dann ganz von allein. „Die Kinder sind stolz auf sich, weil sie im Sport erfolgreich sind. Dieses Gefühl kann nichts toppen“, so Jaeger. Auch am Wochenende werden Turniere angeboten.
 
Das Selbstbewusstsein steigt
Die Jugendlichen wachsen dabei über ihre Grenzen hinaus: Um an den Spielort zu gelangen, sind teilweise Wege durch andere Stadtteile erforderlich. Diese sind für die Jugendlichen oft unangenehm, da in den Stadtteilen Rivalitäten unterschiedlicher Nationen herrschen. Um Sport zu machen, wächst jedoch der Mut und es zeigt sich, dass die kritischen Gegenden weniger gefährlich sind als ursprünglich gedacht.
 
Regeln kennenlernen
Pro Jahr sind 15.000 Kinder und Jugendliche aus Stuttgart und Umgebung mit unterschiedlichster Herkunft dankbar für die kostenlose Möglichkeit Sport zu treiben. Und an dieser hohen Nachfrage ändert sich vorerst auch nichts. Wenn sich eine Generation beim Gemeinschaftserlebnis Sport ausgetobt hat, kommt schon die nächste. Sie lernen dabei, dass es nicht nur Regeln auf dem Spielfeld, sondern auch im alltäglichen Leben gibt, die es einzuhalten gilt.
 
Sport um Mitternacht
Neben den Regelterminen und Turnieren lässt sich das Team von Gemeinschaftserlebnis Sport immer neue Ideen einfallen, um den Jugendlichen etwas zu bieten. Basketball um Mitternacht findet zum Beispiel an vielen Wochenenden statt, jeweils von 22 bis 0.30 Uhr. Geplant ist weiterhin ein Mountainbike-Projekt – „Rat und Tat: Am Berg – Am Limit“.
 
Freiwillige gesucht!
Davor muss nur geklärt werden, wie die Ausrüstung finanziert wird. „Wir sind zuversichtlich, aber trotzdem würden wir uns über mehr Freiwillige freuen, die das Programm gut finden und uns dabei unterstützen wollen“, so Jaeger. (HH)
 

Weitere Informationen:

Sport für alle
Für alle und alle gemeinsam ...
Sport für alle
... hier finden Jugendliche aus Stuttgart zusammen.
31.10.2009
(Ausgabe November 2009)


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