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Peter Pan in Stuttgart
„Die Kraft der Phantasie“
Inèz Derksen, Regisseurin von „Expedition Peter Pan”
Good News: Wie sind Sie zum Familientheater gekommen?
Inèz Derksen: Ich bin in Holland seit zehn Jahren künstlerische Leiterin des KiJuTheaters Het Laagland. Davor war ich lange Zeit als freischaffende Regisseurin in Amsterdam tätig. Das Familientheater ist meine Spezialität.
Good News: Was gefällt Ihnen daran?
Inèz Derksen: Ich kann mich als Erwachsene und als Künstlerin voll einfinden und meine Geschichte erzählen. Ich mag auch die Mischung aus Kindern und Erwachsenen. Ich kenne es zum Beispiel von Schulvorstellungen aus Holland, dass Lehrer ihre Schüler ins Theater begleiten, um den Schülern das Theater näher zu bringen. Dann fühlen sie sich aber selbst angesprochen und haben so auch etwas, um später gemeinsam mit den Kindern darüber zu reden. Es geht aber im Familientheater auch darum, alles spielerisch so anzugehen, dass man die Magie des Mediums voll ausnutzt.
Good News: Und das heißt?
Inèz Derksen: Man kann im Theater mit wenigen Mitteln viel ausdrücken und so die Vorstellungskraft von Erwachsenen und Kindern anregen. Zum Beispiel muss man auf der Bühne keine richtigen Bäume aufstellen, sondern kann diese mit einer Säule aus Licht darstellen. Oder anstelle eines Schwertes gibt es einen Besen und so weiter.
Good News: Haben Sie vor „Expedition Peter Pan“ schon bei anderen Buchvorlagen Regie geführt?
Inèz Derksen: Ich habe schon Stücke wie „Ronja Räubertochter“, „Die unendliche Geschichte“ und „Krabat“ auf die Bühne gebracht. Ich mag altbekannte Stoffe sehr gern, die etwas so Besonderes haben, dass sie auch Erwachsene noch ansprechen. Sie haben eine besondere Qualität, die über Altersgruppen und Länder hinausgeht. In jeder Lebensphase gibt es etwas anderes, was man aus solchen Geschichten mitnehmen kann. Und ich mag es, sie auf schlichte Art und Weise neu, aber nicht unbedingt modern aufzulegen.
Good News: Wie kamen Sie dann auf die Idee, ein Stück rund um Peter Pan zu machen?
Inèz Derksen: Im Frühjahr habe ich durch Zufall den Film „Finding Neverland“ gesehen, der von der Entstehung von „Peter Pan“ erzählt. Der Film zeigt vor allem in einer Szene, dass sich Erwachsene erst mit einem offeneren Blick auf die Kinder trauen, sich ganz auf das Stück einzulassen – da habe ich geweint und wusste: Das passt zu den Themen, die mich als Regisseurin interessieren.
Good News: Und wie kam das Jes ins Spiel?
Inèz Derksen: Ich mag den Stil vom Jes, die Möglichkeit zur eigenen Stückentwicklung. Es gibt sehr viel Freiheit und Expertise um mit einer guten Idee ein schönes neues Stück zu bauen. Vor sechs Jahren habe ich im JES schon bei dem Stück „King A“ Regie geführt. Danach war immer der Wunsch da, wieder zusammenzuarbeiten. Nur gab es dafür lange Zeit keine Zeit. Ich habe Christian Schönfelder, den Dramaturgen des Jes, angerufen und gesagt: „Wie wäre es mal mit etwas über Peter Pan?“ Ich kannte das Buch vorher nicht und Christian auch nicht. Dann haben wir das Buch gelesen, uns angerufen und festgestellt, dass die eigentliche Geschichte von Peter Pan nicht so unser Ding war.
Good News: Was heißt das für Ihr Stück?
Inèz Derksen: Wir wollten kein Märchen aufführen, sondern weitergehen. Es gibt ja verschiedene Filme, die über das Buch von James Matthew Barrie hinausgehen. Da entschieden wir, uns diese Freiheit auch nehmen zu können. Das Ensemble sind erwachsene Schauspieler. Es ist also ein Stück mit dem Hintergrund des Jungen, der nicht erwachsen werden will, aber mit Erwachsenen inszeniert. Was ich spannend fand, war die Frage: was ist das, nicht erwachsen werden zu wollen oder fliegen zu können, wenn es nicht Teil eines Märchens ist?
Good News: Und wie kamen Sie auf diese Idee?
Inèz Derksen: Ich habe mich dabei von dem Buch „Peter Pan und der rote Pirat“ inspirieren lassen. Darin geht es um die verlorenen Jungen, die Nimmerland verlassen haben. Als sie im Nimmerland gebraucht werden, müssen sie das Kind in sich suchen, um zurückkehren zu können.
Good News: Wovon handelt denn „Expedition Peter Pan“?
Inèz Derksen: Fünf Erwachsene wenden sich hilfesuchend an ihr Publikum. Im Leben der Protagonisten tauchen immer wieder Gegenstände auf, die sie aus ihrer Kindheit kennen: Spielzeugautos, Holzschwerter und Ähnliches. Vielleicht können die Kinder ihnen erklären, warum das passiert. Um das zu klären, begeben sie sich auf eine abenteuerliche Expedition in die Phantasiewelt, in der sie das verlorene Kind in sich wiederfinden wollen.
Good News: Das Stück spielt ja nicht in Nimmerland, sondern hier in der realen Welt. Aber tauchen trotzdem Elemente aus „Peter Pan“ auf?
Inèz Derksen: Peter Pan und Hook selbst tauchen nicht als Figuren auf. Aber das, wofür sie stehen. Das ganze Stück ist von ihnen sozusagen beflügelt. Die Darsteller spielen ein Hook-Spiel oder sie suchen nach Elfen. Und es gibt viele Versuche, fliegen zu lernen. Auch das Motiv des „Nichterwachsenseins“ als Spielregel Nummer eins gibt es in unserem Stück, das mit viel Energie und Humor erzählt und gespielt wird.
Good News: Was ist für Sie die Aussage Ihres Stückes?
Inèz Derksen: Wir zeigen, was für einen Wert Kindersehnsüchte und die Kraft der Phantasie haben. Und wir bestärken Kinder, wenn wir ihre Träume auch als Erwachsene ernst nehmen. Fliegen oder nicht fliegen, das ist nicht das wichtigste. Ob man es sich vorstellen kann, darum geht es.
Good News: Vielen Dank für das Interview!
Weitere Informationen und Anmeldung: Tel. 0711 21 84 80 18 und unter www.jes-stuttgart.de
07.01.2012
(Ausgabe 07. Januar 2012)










