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Die Schwalbe und ihr Prinz.
Deutsch-spanisches Theater
Der glückliche Prinz
Es war einmal ein Prinz, der sein Leben lang keine Sorgen hatte. Er lebte sicher hinter den Mauern seines Palastes und soll immer fröhlich gewesen sein. Das erzählen sich zumindest die Bewohner der Stadt, in der der Prinz einst gelebt haben soll. Nun steht er als Statue auf dem Berg hoch über der Stadt. Die Einwohner bewundern ihn für sein prachtvolles Aussehen: den Körper mit Blattgold überzogen, zwei Saphire als Augen und ein großer Rubin auf dem Schwertknauf macht er großen Eindruck auf den Betrachter. Aber als Statue ist der Prinz nicht glücklich. Denn er erkennt zum ersten Mal, wie schlecht es den Menschen in der Stadt wirklich geht. Darum bittet er eine Schwalbe um Hilfe: Sie soll den Rubin aus seinem Schwertknauf picken und ihn einer armen Näherin und ihrem kranken Sohn bringen. Von nun an bittet der Prinz die Schwalbe immer wieder, den Armen zu helfen: Zuerst verschenkt er seine Saphire, dann soll die Schwalbe sogar das Blattgold von seinem Körper picken. Als der Prinz schließlich blind und nackt über der Stadt thront, bringt die Schwalbe es nicht übers Herz, ihn zu verlassen. Und so nimmt die Geschichte vom glücklichen Prinzen und der treuen Schwalbe ein trauriges Ende: Die Schwalbe erfriert und die Statue des Prinzen wird abgerissen. Übrig bleibt sein Herz aus Blei. Ein Engel soll dies zusammen mit der toten Schwalbe Gott bringen: als die beiden kostbarsten Dinge der Stadt. Das ist der Inhalt von Oscar Wildes Klassiker „Der glückliche Prinz“, einer Geschichte über Menschlichkeit und Liebe.
Zweisprachige Aufführung
Ab dem 26. November 2011 wird das Buch nun auch die Landeshauptstadt erobern und als Theaterstück im Jungen Ensemble Stuttgart (JES) zu sehen sein. Und zwar nicht als normales Theaterstück, sondern als Kooperation mit der katalanischen Compagnie La Baldufa. Das Besondere daran: „Der glückliche Prinz“ wird im JES zweisprachig aufgeführt: auf Deutsch und Spanisch.Aus Einladung wurde Kooperation
Die Idee hierzu kam von La Baldufa: Im Januar 2010 luden sie das JES zur Premiere ihrer Interpretation vom glücklichen Prinzen nach Lleida in Spanien ein und schlugen gleichzeitig eine Kooperation vor. „La Baldufa hatte das Stück bereits mit dem Regisseur Jorge Picó erarbeitet und wollte gerne eine Fassung für deutsches Publikum erstellen. Zu dieser Zeit waren wir gerade dabei, unsere Spielzeit 2011/2012 zum Thema „Stadt“ zu planen. Die Anfrage, eine Kooperation zum glücklichen Prinzen zu machen, war da natürlich mehr als passend“, erzählt Brigitte Dethier, Intendantin des JES. „Es werden viele Texte aus dem Off eingespielt. Zwei Schauspieler, die szenisch auf der Bühne miteinander spielen, und viele Schattenspiele und Clownereien bestimmen das Stück“, beschreibt Alexander Redwitz, einer der Sprecher der deutschen Fassung, den Aufbau des spanischen Theaterstücks.In Spanien an deutscher Fassung mitarbeiten
In Abstimmung mit der spanischen Regie wurden für die Aufführung im JES teilweise Musik und Texte angepasst: Da manche Sätze auf Deutsch übersetzt länger als im Spanischen waren, kamen einige zusätzliche Passagen hinzu. Alexander Redwitz und seine Kollegin Sarah Kempin reisten selbst nach Spanien, um dort an der deutschen Fassung mitzuarbeiten und die Rollen Prinz und Schwalbe auf Band einzusprechen. „Es war großartig, die Möglichkeit zu haben, nach Spanien zu reisen und dort mit den Leuten zu arbeiten“, erinnert sich Sarah Kempin. „Es hat erstaunlich gut geklappt: Wir hatten einen Nachmittag, einen Abend und einen Vormittag Zeit, dann musste alles im Kasten sein“, ergänzt Alexander Redwitz.Deutsch-spanische Mischung
Im JES sieht das dann so aus: Zwei spanische Schauspieler spielen auf der Bühne in ihrer Muttersprache. Hin und wieder lassen sie aber auch ein deutsches Wort einfließen. Außerdem erklingen immer wieder die deutschen Stimmen von Alexander Redwitz und Sarah Kempin aus dem Off – und auch diese mit einzelnen spanischen Wörtern. So können die Zuschauer der Handlung problemlos folgen.Perfektes Zusammenspiel
Das Spiel wird durch den Wechsel von Schauspielern auf der Bühne und Stimmen aus dem Off nicht gestört – im Gegenteil: so entstehen keine Lücken im Spiel. Auch wenn die Schauspieler zum Beispiel gerade die Bühne umräumen, kann die Geschichte ohne Pause weitergehen. „Ich denke, es ist ein tolles Erlebnis, diese zweisprachige Aufführung zu sehen und zu verfolgen, wie die beiden Ebenen Bühne und Einspielung ineinander greifen – und wie auch die beiden Sprachen zusammenkommen, sodass man auch ohne konkrete Spanischkenntnisse alles versteht, was auf der Bühne passiert“, so Brigitte Dethier.Der Zuschauer wird verzaubert
Und auf der Bühne passiert so einiges: Zu Beginn sieht man zwei Schauspieler, die ein Buch mit der Geschichte vom glücklichen Prinzen finden. Parallel dazu erklingt aus dem Off der Satz „die beiden kostbarsten Dinge aus der Stadt“. Zusätzlich wird der Satz an die Wand projiziert. Plötzlich wird das Buch lebendig: die Seiten flattern wie die Flügel der Schwalbe –und schon sind die beiden Schauspieler selbst mitten in der Geschichte. Mit starken Effekten verzaubert die Inszenierung die Zuschauer. Es beginnt mit kleinen projizierten Szenen, die immer größer werden. So beleuchten Scheinwerfer das Stadtmodell, während eine gebastelte Schwalbe hindurch fliegt. Derartige Effekte ziehen sich durch das ganze Stück, bis sich am Ende der Kreis schließt: Schwalbe und Herz sind zu sehen, während wieder der Satz „die beiden kostbarsten Dinge aus der Stadt“ aus dem Off ertönt. „Für mich ist der glückliche Prinz eine dunkle Version des Märchens vom Zinnsoldaten: Der Zinnsoldat und die Ballerina sind verliebt, aber sie können nicht zusammenkommen“, so Sarah Kempin über die bitter-süße Geschichte von Oscar Wilde. Wie die endgültige deutschspanische Fassung auf der Bühne wirkt, haben die zwei Sprecher selbst noch nicht gesehen: „Wir sind beide gespannt, wie alles aussieht, was dabei rausgekommen ist“, erklären sie. Darauf dürfen auch die Stuttgarter Zuschauer gespannt sein. (AM)Weitere Informationen:
Der glückliche Prinz
Für Kinder ab 6 Jahren
Kooperation mit La Baldufa
Wo: JES Stuttgart
Wann: Premiere 26.11.2011, 18 Uhr; 27.11., 15 Uhr, 28.11., 29.11. und 30.11.2011, 11 Uhr
Kosten: 4,50 – 6 Euro
Anmeldung: 0711 21 84 80 18
www.jes-stuttgart.de
Für Kinder ab 6 Jahren
Kooperation mit La Baldufa
Wo: JES Stuttgart
Wann: Premiere 26.11.2011, 18 Uhr; 27.11., 15 Uhr, 28.11., 29.11. und 30.11.2011, 11 Uhr
Kosten: 4,50 – 6 Euro
Anmeldung: 0711 21 84 80 18
www.jes-stuttgart.de
Veranstaltungstipps dieser Woche:
Märchen aus aller Welt
Vorlesenachmittag mit Lesepate Roland Hellmann
Für Familien mit Kindern ab 5 Jahren
Wo: Junges Schloss
Wann: 19.11.2011, 14 Uhr
Kosten: im Eintrittspreis für das Junge Schloss von 2 – 3,50 Euro enthalten
Anmeldung: nicht erforderlich
www.junges-schloss.de
Vorlesenachmittag mit Lesepate Roland Hellmann
Für Familien mit Kindern ab 5 Jahren
Wo: Junges Schloss
Wann: 19.11.2011, 14 Uhr
Kosten: im Eintrittspreis für das Junge Schloss von 2 – 3,50 Euro enthalten
Anmeldung: nicht erforderlich
www.junges-schloss.de
Premiere: Zimt & Zauber
Eine artistische SchiffsreiseWo: Friedrichsbau Varieté Stuttgart
Wann: 20.11.2011, 14 Uhr; weitere Termine bis 29.01.2012
Kosten: 10 – 15 Euro
Anmeldung: 0711 22 57 070
www.friedrichsbau.de
Kosten: 10 – 15 Euro
Anmeldung: 0711 22 57 070
www.friedrichsbau.de
Waldwerkstatt
Kreatives aus Weide mit Nina Hainzl
Wo: Haus des Waldes
Wann: 20.11.2011, 11 Uhr
Kosten: 4 Euro
Anmeldung: nicht erforderlich
www.hausdeswaldes.de
19.11.2011
(Ausgabe 19. November 2011)










