Theaterführung für Kinder

Hinter den Kulissen

Hinter den Kulissen
"Einblicke - Kinderführung" entführt den Nachwuchs in die Werkstätten des Staatstheaters.

Wartend stehen Eltern und Kinder auf der Treppe des Opernhauses. Punkt 14 Uhr öffnen sich die Eingangstüren. Jürgen Dubsky und Simon Bosch vom Staatstheater Stuttgart nehmen die Kinder unter ihre Fittiche, während sich die Eltern verabschieden. Manche, um einen Stadtbummel durch die Innenstadt zu machen, andere, um einen Kaffee zu trinken oder um selbst bei einer Führung des Staatstheaters mitzumachen. Denn bei „Einblicke – Kinderführung“ sind Erwachsene fehl am Platz.

Das Theater spielend entdecken

„Die Kinderführung gibt es seit Oktober 2010. Zu Beginn der Spielzeit 2010/2011 wurden die öffentlichen Führungen der Staatstheater Stuttgart neu aufgelegt. Dabei wurde auch die Idee geboren, Kinderführungen für unser junges Publikum anzubieten“, erklärt Thomas Sonner, Leitung Bereich Führungen. „Die Kinder können gemeinsam mit Gleichaltrigen auf spielerische Weise die Theatergebäude und Werkstätten entdecken. Parallel dazu findet eine Führung für die Erwachsenen statt. So bleibt mehr Zeit für die Fragen der Kinder und es kann besser auf ihre Wünsche und Interessen eingegangen werden.“

Fragen und Antworten über das Theater

Dann gehen alle ins Foyer des Opernhauses. Schnell die Jacken ausziehen und noch einen Abstecher zur Toilette, schon setzen sich die Kinder im Kreis auf den Boden. Auch Bosch und Dubsky, die jetzt so manches über das Staatstheater Stuttgart und seine Geschichte erzählen. Anhand eines alten Bildes sehen die jungen Besucher, wie das Opernhaus vor rund 100 Jahren ausgesehen und wie sich alles um das Haus herum inzwischen verändert hat. Simon Bosch und Jürgen Dubsky beziehen die Kinder von Anfang an mit ein: Wer weiß, was im Staatstheater alles aufgeführt wird? Und was erwartet der Nachwuchs selbst von der Führung? Gleichzeitig dürfen und sollen die Kinder selbst Fragen stellen. Und bekommen natürlich auch jede Menge Antworten.

Faszination Scheinwerfer

Dann geht die Führung richtig los. Zuerst zeigt Jürgen Dubsky den Kindern, wie ein Scheinwerfer funktioniert. Denn Scheinwerfer geben nicht nur Licht, sondern erzielen so manche Effekte. Kurz ein eingefasstes blaues Papier vor den Scheinwerfer gehalten und alle fühlen sich, als wäre es um sie herum Nacht oder als wären sie in einer geheimnisvollen Unterwasserwelt. Je länger er in Betrieb ist, umso wärmer wird ein Scheinwerfer. Davon können sich die Kinder selbst überzeugen.

In der Maske

Auf der Bühne des Opernhauses bauen gerade Arbeiter die Kulissen für die abendliche Vorstellung auf. Beim Blick hinter die Bühne wird klar, wie viele Kulissen im Staatstheater gelagert sind. Bosch und Dubsky führen alle treppauf und treppab durch ein Labyrinth von Gängen – bis in die Maske. Die Kinder sehen verschiedene Perücken, die aus echten Menschenhaaren geknüpft sind. Wer will, darf eine Clownsperücke oder eine Perücke mit einer altmodischen Frisur aufsetzen. Doch für alle anderen Perücken gilt: nicht anfassen, da sie oft in Arbeit sind und sehr leicht kaputt gehen.

Eine Führung, doch immer anders

Ein Abstecher in die Werkstätten ist bei jeder Kinderführung ein Muss. Doch im Detail gleicht keine Führung der anderen. Auch, weil nicht immer jede Werkstatt ihre Türen zur Besichtigung öffnen. Welche Stationen besichtigt werden, ist mit den Werkstättenleitern abgesprochen. Und „je nachdem, mit wem die Kinder unterwegs sind, hören sie teilweise auch andere Dinge“, so Simon Bosch.

Bühnenbilder entstehen im Stehen

Als nächstes sehen die Kinder, wo die Bühnenbilder entstehen. Auf dem Boden liegen zahlreiche große Papierbogen bereit, die darauf warten, bemalt zu werden. Die Kinder bekommen lange Malstöcke und versuchen damit, im Stehen auf ein Papier am Boden zu malen oder zu schreiben. „Die Leute, die hier arbeiten, stehen immer“, erzählt Simon Bosch. Und „das ist richtig schwer, das gut zu können.“

Der Kostümfundus

Weiter geht es zum Kostümfundus, in dem unzählige fertige Kostüme hängen. Nach einem Abstecher in die Hutwerkstatt landen alle in der Schneiderei. „Alles, was hier gemacht wird, passt nur dem, für den es ist“, erklärt Simon Bosch. Die Kinder dürfen eine besondere Hose anfassen, die für den „Nussknacker“ geschneidert wurde und mit rund 400 Nüssen verziert ist. Anschließend werfen sie einen Blick in die Kunstgewerbeabteilung, in der Kostüme mit Federn, Perlen, Schmucksteinen und mehr verziert werden.

Beim Basteln kreativ sein

Zum Schluss der Führung wird der Nachwuchs selbst kreativ. Nicht in jeder Kinderführung gehört eine Bastelaktion zum Programm. Ob und vor allem was gebastelt wird hängt vom Anlass und der Jahreszeit ab. Jetzt im Dezember basteln die Kinder funkelnde Weihnachtsbäume. Die fertigen Bäume nehmen sie als Andenken mit nach Hause.

Ein letzter Blick aus des Königsloge

Wer will, setzt sich noch kurz in die Königsloge und wirft von hoch oben einen Blick in den Opernsaal. Dann ist die Führung auch schon zu Ende und alle machen sich auf den Weg zurück zum Ausgang, wo die Eltern warten. Die eineinhalb Stunden sind wie im Flug vergangen, die Kinder sind begeistert – und haben nun einen ganz eigenen Eindruck vom Staatstheater Stuttgart bekommen. (AM)

17.12.2011
(Ausgabe 17. Dezember 2011)
Bookmark bei: Mr. Wong Webnews Bookmark bei: Yigg Bookmark bei: Technorati Bookmark bei: Linkarena Bookmark bei: Google Bookmark bei: Folkd Bookmark bei: Del.icio.us